ITALIEN: DER SIEG DES PAPSTES OFFENBART DIE SCHWÄCHE DER LINKEN

Don Camillo ohne Peppone

Gestern war ein schöner Tag für Papst Benedikt XVI., für den Vatikan, für die katholische Kirche Italiens. Das Referendum für die Lockerung des Gesetzes zur künstlichen Befruchtung ist mangels Beteiligung grandios gescheitert, und die Boykottkampagne des Klerus hat ebenso triumphal gesiegt. In Frankreich oder Deutschland werden zum Unmut der Kirche gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften abgesegnet, in Spanien will Zapatero Schwulen und Lesben gar das Adoptionsrecht geben – doch wenigstens Italien bleibt ein Staat, in dem die Kirche die Gesetze macht.

Auf der anderen Seite lecken die Referendumsbetreiber von links ihre Wunden. In den letzten Tagen hatten sie selbst nicht mehr an die Erreichung der zur Gültigkeit nötigen Beteiligung von 50 Prozent der Wahlberechtigten geglaubt. Aber man tröstete sich schon im Vorfeld: 40, gar 45 Prozent – wäre das nicht wenigstens ein moralischer Sieg gegen den Klerus? Auch der ist nun ausgeblieben.

Das zeigt vor allem, wie schwach Italiens Linke in der Auseinandersetzung mit der Kirche ist. Es ist eine selbst verschuldete Schwäche, aufgebaut über lange Jahre: In Italien mag es noch einen Camillo geben – der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Ruini, trägt diesen schönen Vornamen –, doch die Peppones sind schon längst in Rente. Ein kritisches, gar ein böses Wort über die katholische Kirche verkneifen sich Italiens Linkspolitiker sogar, wenn es angebracht wäre. Lieber sitzen sie auf dem Petersplatz in der ersten Reihe, wenn der Opus-Dei-Gründer heilig gesprochen wird.

Das macht die Kirche politisch stark – doch gesellschaftlich ist sie auch in Italien schon lange Minderheit. Den Sieg im Referendum hat sie nicht erfochten, sondern auf Umwegen erschlichen: Die Boykottkampagne wurde ja allein deshalb eingeleitet, weil nie eine Mehrheit für ein rigides Bio-Ethik-Gesetz gestimmt hätte. Aus scheinbar aussichtsloser Position hat der italienische Katholizismus so eine Abwehrschlacht gegen die „gottlose Moderne“ gewonnen, mehr aber auch nicht. Wer wirklich stark ist, muss zu solchen Tricks nicht greifen. MICHAEL BRAUN