Video der Woche

Wenn Kinder fürs Klima explodieren

In einem satirischen Video von Umweltschützern werden Klimaschutz-Muffel kurzerhand in die Luft gesprengt. Eine Provokation, die erwartungsgemäß für Aufregung sorgte.von MARLENE GOETZ

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Falls jemandem diese Warnung noch nicht deutlich genug war: Es kommen noch zwei weitere kurze Szenen, in dem sich dasselbe Szenario in einer anderen Umgebung wiederholt. In einer Firma haben drei Angestellte keine Lust, CO2 zu reduzieren und werden dafür gesprengt. Auch auf einem Fußballfeld: Ex-Fußball-Star David Ginola wird zerfetzt, weil er meint, Öko-Bewusstsein lenke vom Spiel ab.

Der Abspann mit der Botschaft erscheint. Das Projekt wird von einer weiblichen Stimme zusammengefasst. Sie stammt von Gillian Anderson, bekannt aus der Serie "Akte X". Sie sitzt im Studio sitzt und fragt den Toningenieur, ob die Aufnahme in Ordnung sei. Er nickt zustimmend und fragt sie: „Und Du, was wirst Du für 10:10 unternehmen?“ Sie habe mit dieser Aufnahme ja wohl ihren Beitrag geleistet, rechtfertigt sie sich. „Kein Druck“, sagt der Toningenieur, drückt auf den roten Knopf und die Schauspielerin explodiert.

Das 4-Minuten-Video, das Anfang Oktober auf der Videoplattform YouTube veröffentlicht wurde, hat eine solche Kontroverse ausgelöst, dass es kurz danach wieder zurückgezogen wurde. Blogs und Medien haben empört auf den Film reagiert. Selbst Naturschützer und Mitglieder des "10:10"-Projekts haben sich distanziert. Die Chefin der britischen Gruppe musste sich öffentlich entschuldigen.

"10:10" ist ein weltweites Projekt, das 2009 in Großbritannien gestartet wurde. Die Haupt-Forderung der umweltschützenden Gruppe lautet: „Wir alle verpflichten uns, ab 2010 zehn Prozent unsere Ausstoßes des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu reduzieren und zusammenzuarbeiten.“

Auch die englischsprachige Presse war wenig begeistert von dem Film. Besonders dessen Regisseur, der neuseeländische Drehbuchautor Richard Curtis (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Notting Hill, Bridget Jones, Radio Rock Revolution...) wurde angegriffen. „Öko-Faschisten“ nannte die US-Zeitung "Wall Street Journal" die Umweltschützer gar.

In der britischen Tageszeitung "Telegraph" fasste ein Autor die Botschaft des Films aus seiner Sicht gleich in der Überschrift zusammen: „'Werdet grün, oder wir bringen eure Kinder um' sagt der schockierende Öko-Propaganda Film von Richard Curtis". Das Video werde in die Geschichte eingehen - als "hässlichste und kontraproduktivste Öko-Propaganda" aller Zeiten.

Eine der Projekt-GründerInnen, Franny Armstrong, verteidigte den Clip als humorvoll. „Natürlich denken wir nicht wirklich, dass die Leute, die nichts für die Umwelt tun in die Luft gesprengt werden sollten. Das war nur ein Witz für den Kurzfilm, aber vielleicht könnte eine kleine Amputation ein erster Schritt sein,“ scherzte die Regisseurin des Films „Das Zeitalter der Dummheit", ein Doku-Drama über den Klimawandel.

Das Video ist inzwischen wieder auf Youtube sichtbar. Mal ist der Film erst ab 18 Jahren sichtbar, mal auch für jedermann.

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