Bibliothek hat sonntags geöffnet

Ausnahmsweise kann man sich an diesem Wochenende auch sonntags Bücher ausleihen. In Zukunft soll dies häufiger möglich sein. Wenn es eine Gesetzesänderung gibt und zusätzliches Geld für Personal da ist

Nicht nur die Geschäfte im Viertel, auch die Stadtbibliothek hat diesen Sonntag geöffnet – ausnahmsweise und nur von 13 bis 18 Uhr. Denn obwohl mittlerweile auch die SPD dem Drängen der Bibliotheksleitung auf eine Sonntagsöffnung nachgegeben hat, gilt nach wie vor eine Kompromissregelung, die sich am Bremischen Ladenschlussgesetz orientiert. Vier Mal darf die Zentralbibliothek am Wall danach vom Bundesarbeitsgesetz abweichen und sonntags öffnen, das hatten die Kulturbehörde und die Direktion der Bibliothek mit deren Personalrat im Jahr 2010 vereinbart.

Um eine Öffnung an weiteren Sonntagen möglich zu machen, will Bremen sich auf Antrag von SPD und Grünen in der Bremischen Bürgerschaft an einer Bundesratsinitiative des Landes Berlin beteiligen. Bislang dürfen aufgrund der durchs Grundgesetz geschützten Sonntagsruhe nur wissenschaftliche Bibliotheken öffnen. Eine Sonntagsöffnung von anderen Bibliotheken stehe „der Grundrechtsverwirklichung nicht entgegen, da sie nicht ökonomischen, sondern wertvollen Bildungs- und Kulturinteressen dient“, begründen SPD und Grüne ihren Antrag.

„Wir wollen der Bibliothek die Möglichkeit einräumen, sonntags zu öffnen, sie aber nicht dazu zwingen.“

Heiner Stahn, Kulturbehörde

Die SPD hatte sich in der Vergangenheit gegen einen weiteren Öffnungstag ausgesprochen, weil sie die ArbeitnehmerInnen schützen wollte. Ende letzten Jahres teilte der SPD-Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen dann mit, man wolle „den Wunsch vieler Menschen nach einem sonntäglichen Besuch mit den berechtigten Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Stadtbibliothek in Einklang bringen“. Und der Sprecher der Kulturbehörde, Heiner Stahn, sagte gestern: „Wir wollen der Stadtbibliothek die Möglichkeit einräumen, sonntags zu öffnen, sie aber nicht dazu zwingen.“

Cornelia Düsing vom Personalrat der Stadtbibliothek ist von der geplanten Gesetzesänderung nicht begeistert: „Kein Mensch arbeitet gern am Sonntag.“ Die Belegschaft sei „sehr skeptisch“ und die Personaldecke schon jetzt „sehr dünn“. Momentan würden sich immer genügend Freiwillige für die mit Zulagen vergüteten Sonntagsschichten finden. Düsing glaubt, dass das bei regelmäßigen Sonntagsöffnungen nicht funktionieren würde.

Der stellvertretende Direktor der Stadtbibliothek, Erwin Miedtke, begrüßt die Bundesratsinitiative. Nach den bisherigen Erfahrungen kämen sonntags zwar nicht mehr BesucherInnen, sagte er gestern, dafür aber eine andere Zielgruppe. Vor allem Familien würden den freien Tag für einen Büchereibesuch nutzen. Die Abwägung der Interessen von KundInnen und MitarbeiterInnen sei auch für ihn „ein Spagat“, so Miedtke. Ob die Bibliothek im Falle einer Gesetzesänderung tatsächlich jeden Sonntag öffnen würde, könne er nicht sagen. Schließlich müsste mehr Personal bezahlt werden. Und: „Mehr Geld wird es wohl nicht geben.“

Im Sommer soll die Kulturbehörde die gemeinsam mit der Bibliothek entwickelten Konzepte der Kulturdeputation vorlegen.