Der große grüne Richtungsstreit
Der Abwartende

GRÜNE Sie glauben, beim grünen Personalstreit geht’s ausschließlich um Eitelkeiten? So ein Quatsch. Beim Machtkampf der vier ChefInnen prallen knallhart kontroverse inhaltliche Positionen aufeinander. Das belegt der exklusive taz-Vergleich – also zumindest fast. Wenn man mit der Lupe hinguckt

Parteichef Cem Özdemir, 46, hält sich im Führungszoff vornehm zurück. Der „anatolische Schwabe“ (Özdemir über Özdemir) weiß: Die Zeit ist auf seiner Seite. Özdemir ist der Jüngste im grünen Quartett, er kann auch später noch was werden. Realo Özdemir liebt zwar Bruce-Lee-Filme, geriert sich aber im Moment soft als integrierender Chef. Er betont, wie toll Trittin ist und dass ein Spitzenkandidat ein Bundestagsmandat braucht – was er nicht hat. Fazit: Özdemir will sich nicht verbrennen. Dennoch vertritt er im Grünen-Richtungsstreit natürlich unverwechselbare Positionen, die ihn scharf von den anderen dreien abgrenzen. Ein paar Beispiele:

Eurorettungsschirm: Özdemir bezeichnete den Rettungsschirm als „deutlich bessere Lösung als alles, was wir bislang hatten“. Als die Regierung die Solarförderung eindampfen wollte, sagte Özdemir ein brutales Szenario voraus: „Der Markt für Solaranlagen würde in Deutschland zusammenbrechen.“ Beim Mindestlohn argumentierte er nüchtern: „Wir brauchen den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit für Männer und Frauen, Stammbelegschaften und Leiharbeitskräfte.“