Jetzt ist es raus: Die Castor-Sitzblockade bei Gorleben wurde tatsächlich von einem Tornado-Flugzeug überflogen. Das Verteidigungsministerium sagt: Das waren Übungen.von JULIA SEELIGER

War da was? Blockierende am 8.11. in der Sitzblockade vor dem Zwischenlager in Gorleben. Bild: reuters
Montagmorgen, gegen zehn, in der Sitzblockade bei Gorleben. Der Himmel ist bewölkt. Plötzlich ein Tiefflieger-Geräusch. Laut, trocken, leicht schlürfend. Einige schauen nach oben. Was war das? Erinnerungen an den G8-Gipfel in Heiligendamm werden wach. Damals wurde das Aktivisten-Camp in Reddelich bei Bad Doberan von einem Tornado-Flugzeug überflogen, es stellte sich im Nachhinein heraus, dass dieses Flugzeug auch Fotos von dem Camp gemacht hatte. Sollte solches wie beim G8-Gipfel bei den Castor-Protesten wieder passiert sein? Das Bundesverteidigungsministerium bestreitet das – es habe sich um einen "Ausbildungsflug" gehandelt.
In einer Antwort auf Fragen des grünen Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele zum diesjährigen Castor-Transport sagt das Verteidigungsministerium: "Am 8. November überflog ein Luftfahrzeug des Jagdbombengeschwaders 32 vom Typ TORNADO ECR aus Lechfeld auf einem routinemäßigen Ausbildungsflug das Gebiet Wendland von Norden kommend mit südöstlichem Kurs von Hitzacker über Dannenberg in Richtung Gorleben". Der Tornado sei "nicht für Bildaufnahmen ausgerüstet gewesen", so das Verteidigungsministerium. Zudem habe die Bundeswehr den Polizeibehörden im Zusammenhang mit dem Castor-Transport "Bildaufnahmen weder angeboten noch übermittelt".
In dem Dokument (PDF) findet sich auch eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf die Frage nach einem Panzer, der kurz in diesem ZDF-Beitrag (Minute 20:37 - 20:41) zu sehen war, wie er transportiert wird. Auch hierbei habe es sich um eine "Ausbildungsfahrt" gehandelt, es bestehe "kein Zusammenhang zwischen dieser Ausbildungsfahrt und dem Castor-Transport". Zudem ist in dem Dokument eine Übersicht über die Art der Unterstützung durch die Bundeswehr im Rahmen des Polizeieinsatzes zum Castor-Transport 2010 zu finden.
Das Grundgesetz lässt prinzipiell Amtshilfe für die Polizei durch die Bundeswehr zu. Eine Zustimmungspflicht des Bundestages besteht nur bei Bundeswehr-Einsätzen, nicht aber bei Amtshilfe, so das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung zum Tornado-Einsatz in Heiligendamm. Sollte der damalige Einsatz verfassungswidrig gewesen sein, so hätte der Deutsche Bundestag diese Verfassungswidrigkeit nicht durch einen einfachen Beschluss beseitigen können. Ob der Tornado-Einsatz beim G8-Gipfel rechtmäßig oder verfassungswidrig war, könnte eine Klage der damaligen Grüne-Jugend-Vorsitzenden Paula Riester und Jan Philipp Albrecht klären, die seit mehr als drei Jahren vor dem Verwaltungsgericht Schwerin anhängig ist.
Amtshilfe hat die Bundeswehr bei diesem Castor-Transport zum Beispiel in Form von Unterkünften, Landeplätzen und mit einem Funkmast geleistet. Mit Maßnahmen, die einschüchternd wirken oder bei denen Zwang ausgeübt wird, darf die Bundeswehr nicht unterstützen, dies würde die Demonstrationsfreiheit einschränken. Und Tornados, die dürften schon einschüchternd wirken.
Die Wahrscheinlichkeit eines Atomunfalls ist 200-mal höher als bislang angenommen. Weltweit am meisten gefährdet ist der Südwesten Deutschlands. von Kai Schöneberg

In ihrem Videocast fordert Kanzlerin Merkel einen schnellen Ausbau der deutschen Stromnetze. Um den Windstrom von den Norden in den Süden zu schaffen, sind Tausende neue Netzkilometer nötig.

Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
Zur Bilderstrecke "Castortransport 2011".
Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
17.11.2010 04:43 | BiBo
Ich halte das auch fuer uebertrieben. Hat jemand mal nachgeschaut, wie oft das Wendland von Tornados ueberflogen wird, wenn ...
15.11.2010 12:00 | ben
Hm, also einen überflug durch einen Tornado würde ich nicht als einschüchternd sehen. Ich bin mir das sehr sicher das er in ...
14.11.2010 07:14 | vic
@ Josef ...