Mangels besserer Alternativen

ENTWICKLUNG Schon 626 Schilder weniger: Das Verkehrsressort verringert sukzessive die Zahl benutzungspflichtiger Radwege. ADFC stimmt zu

Anlässe, über Radwege zu reden, gibt es in Bremen seit 1896 – da baute die Stadt ihren ersten Radweg längs des Bürgerparks und setzte damit reichsweit ein Zeichen. Kanalarbeiten beispielsweise sind immer ein Grund, darüber nachzudenken, wie man zwei Meter höher den Verkehrsraum gerechter aufteilen kann. Wenn heute ab 19 Uhr in der Friedenskirche über eine Umwandlung der Humboldtstraße zur Fahrradstraße diskutiert wird, spielt auch eine Rolle, dass dort laut einer Zählung aus dem letzten Jahr mehr Radler als Autofahrer unterwegs sind. Dass man aber auch völlig anlasslos über Radwege reden kann, beweist nun Radio Bremen: Der Sender vermeldet die „Entwidmung“ des Großteils der Bremer Radwege.

Werden stattdessen flächendeckend Parkstreifen eingerichtet? Keineswegs. Die aufsehenerregende Meldung bezieht sich auf die seit 1997 gültige Unterscheidung in der Straßenverkehrsverordnung zwischen benutzungspflichtigen und „anderen“ Radwegen. 2010 verschärfte das Bundesverwaltungsgericht die Kriterien für die Benutzungspflicht: Beispielsweise müssen mindestens 1.000 Kraftfahrzeuge pro Stunde auf einer Straße unterwegs sein, um Radfahrer auf einen Extra-Weg zu zwingen. Dort allerdings muss dafür eine Mindestbreite von 1,5 Metern zur Verfügung stehen und die „Oberflächen-Beschaffenheit“ bestimmten Qualitätskriterien genügen. Vorwitziges Wurzelwerk und lose Klinker gehören nicht dazu.

Insofern überrascht es nicht, dass das Bremer Verkehrsressort seither 626 der runden blauen Schilder mit weißem Fahrrad-Symbol abschrauben ließ, die Radfahrern eine Benutzungspflicht anzeigen. Damit hat sich die Länge der „Pflicht-Fahrradwege“ auf mittlerweile nur noch 59 Kilometer halbiert – weniger als ein Zehntel des gesamtbremischen Radwegenetzes.

Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ist diese Entschilderung richtig: Wenn schlechte Radwege die Alternative seien, sagt Klaus-Peter Land vom Bremer Landesverband des ADFC, seien Radler auf der Straße sicherer. Vor allem wegen ihrer Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer – auf engen, unübersichtlichen Wegen seien die Radler unter anderem durch Einfahrten und an Kreuzungen gefährdet.