Jörg Sundermeier sichtet die soziale Bewegung in der Stadt

Heute Abend wird in der K9 über Frauen und Geschlechterverhältnisse in der Roten Armee 1941 bis 45 gesprochen. „Scharfschützin, Schwesterchen oder Regimentshure?“ lautet die Frage, der die VeranstalterInnen von der queerfeministischen Frauenlesbentransliste Fu Berlin folgen wollen. Die von ihnen ebenfalls gestellte Frage, in welchem Verhältnis die Vergewaltigungen, die 1944/45 von Rotarmisten verübt wurden, dazu stehen, ist interessant. Wollen wir hoffen, dass nicht einfach nur das deutsche Opferbild bestätigt wird, à la „Befreier und Befreite“. Am Donnerstag diskutiert man im Buchladen Müßiggang darüber, inwieweit die Moslems homophob seien, derweil der Westen tolerant sei. Dass der Westen nicht eben homophil ist, ist bekannt, doch ist deswegen die Homophobie, wie Referent Georg Klauda behauptet, nun wirklich nicht ein reiner Import von Seiten der Kolonialherren. Er sehe sich vielleicht noch mal den Koran und die Worte des Propheten an, lese Tariq Ramadan oder andere Religiöse. Der Beweis für den Import, der laut Klauda darin liegt, dass es in der „klassischen türkischen und arabischen Liebeslyrik“ massenhaft gleichgeschlechtliche Motive gäbe, während das im Westen nicht der Fall sei, ist ebenfalls hohl. Nicht nur, aber auch wegen der Gedichte, die Graf Platen geschrieben hat. Da will sich wohl jemand den Islam schönreden, bleibt aber leider so dumm wie die, die das schwule Engagement in der katholischen Kirche stärken wollen. Am Freitag wird – wie jede Woche – die Mahnwache vor dem Abschiebeknast Köpenick abgehalten. Später am Abend kann man dann zu einer Debatte über Gentrifizierung ins New Yorck gehen, hier wird darüber verhandelt, ob Neukölln bald so öde wie Prenzlauer Berg sein wird. Allerdings unter anderem von jenen, die in Prenzlauer Berg mal die erste Welle der Gentrifizierung waren.