Alternativen suchen

Der Tod und der Organmarkt

Im Angesicht des Todes greift man nach jedem Strohhalm. Er setzt Suchenergien frei, sowohl bei den Kranken wie bei den ÄrztInnen. Das ist allzu verständlich. Denn Menschen hängen am Leben. Der Tod oder das Sterben sind vor langer Zeit in unseren Gesellschaften ins Exil gegangen. Doch jetzt kommen diese Pole des Lebens zurück, sei es mit dem Wachkomafall Schiavo oder auch mit der Diskussion um die Patientenverfügung. Und eben auch in der Organtransplantation. „Tod auf der Warteliste“, da zuckt jeder zusammen, viel mehr als über andere Schwerkranke in Kliniken. Die Debatte über diese Art der Medizin ist plötzlich da. Wieso eigentlich?

Hört man Transplanteuren oder auch Patientenorganisationen wie den „Jungen Helden“ zu, so spürt man massiven Druck, der beim Akt des Schenkens – und das soll die Organspende sein – fehl am Platze ist. Ein Hirntoter schenkt Teile seiner Lebenshülle, jenem Vehikel, mit dem er erst in der Welt sein konnte. Eine Lebendspenderin gibt ihre Gesundheit hin, zum Wohle eines anderen. Da ist Vorsicht geboten.

Warum nicht andere Heilwege suchen? Unsere Medizin setzt oft erst ein, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Sie wird nicht dafür bezahlt, Gesundheit lange vor der Krankheit zu erhalten. Doch braucht es nicht eine multikulturelle Medizin in unseren bunt gemischten Gesellschaften? Mag sein, dass sich einer in der hochtechnisierten Apparatemedizin geborgen fühlt, eine andere sucht im Vorfeld, um gar nicht erst krank zu werden. Menschen sind vielfältig, deshalb versucht die Pharmakogenetik individuell maßgeschneiderte Medikamente zu entwickeln.

Sollte das Gesundheitswesen nicht auf den Kopf oder eher auf die Füße gestellt werden, damit Leiden – und in der heutigen Kostendebatte Gesundheitsausgaben – eventuell minimiert werden können?

Beim Organhandel ist die Grenze des „Helfens“ überschritten. Hier geht es um Markt und Kommerz, der er auch vor kriminellen Aktivitäten nicht Halt macht, wie beispielsweise 1995 im Fall Moses Mokegethi in Südafrika. Er entführte und ermordete sechs Kinder, um die Organe zu entnehmen. ULRIKE KOPETZKY