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Seid umschlungen, ARD-Gremien!

„Mehr Kontrolle hat niemand in Europa“, erklärte gestern nach zweitägiger Beratung die Konferenz der Gremienvorsitzenden der ARD. So was musste einfach noch mal gesagt sein. Zum Glück ist es gelogen.

Nur auf dem Papier erreicht die Selbstaufsicht der öffentlich-rechtlichen Sender jenen Grad an segnender Durchdringung aller Anstaltsbereiche. Was angesichts der nach wie vor überdeutlich vom Parteiproporz abhängigen Rundfunk, Fernseh- und Verwaltungsräte auch besser so ist.

Wäre nun nicht von der Kontrolle der Gremien, sondern von der EU-Kommission die Rede, würde dagegen der berühmte Schuh draus: An die Europa-Lenker ist die fromme Selbstbestätigung nämlich gerichtet. Die EU-Kommission verlangt von ARD und ZDF bis Anfang Mai umfängliche Auskunft in Sachen Finanzierung und Aufsicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ihr ist die sowohl gebühren- als auch werbefinanzierte Sendermasse suspekt, weil sie nicht in die schöne heile EU-Welt der Wettbewerbs- und Dienstleistungsfreiheit passt. Seitdem schieben die Intendanzen und Justiziariate der Sender Überstunden: Gerade die Frage der Aufsicht könnte zum Knackpunkt der Auseinandersetzung mit der EU werden.

Was aber soll da eine Aussage helfen, die ungefähr so relevant ist wie die Meldung „ADAC-Mitglieder geben ihrem Club Bestnoten“? Und was den wahren Einfluss der Gremien angeht: Vor gerade einer schlappen Woche hatten die Gremienspitzen von ARD und ZDF gefordert, Parallelübertragungen von so genannten gesellschaftlichen Ereignissen zu vermeiden. Wie das geht, ist z. B. am Freitag zu besichtigen, wenn beide Sender parallel die Beisetzung von Rainier III. grundversorgen. Dies, so ARD-Programmchef Günter Struve, sei nämlich so ziemlich das billigste machbare Programm. Und obendrein der beste Beweis, dass es „zwischen den Freunden und Brüdern ARD und ZDF zwar manchmal Minuten der Dissonanz“ gäbe – dafür aber „Stunden, in denen wir eng umschlungen sind“. STG