Vielfältiges Film-Menü

FILME Ungewöhnlicher Kurzfilmmix, existenzielle Dramen und ein Film über klingende Tische: Bei den 10. Spanischen Filmtagen sind fünf neue Produktionen zu sehen

VON GASTON KIRSCHE

Vom Kurzfilmmix über eine Musikdokumentation bis zum existenziellen Drama reicht das Angebot auf der Menükarte der diesjährigen 10. Spanischen Filmtage. Vier Spielfilme sind bis zum Mittwoch zu sehen, außerdem ein außergewöhnlicher Mix aus sieben Kurzfilmen, zusammengefasst unter dem Titel „Tapas Mixtas II“.

Das primer plato des Menüs, „El arból“ von Carlos Serrano Azcona, erzählt die Geschichte von Santiago, einem Mann mittleren Alters, der nirgendwo richtig eingebunden ist, dem sein Leben zu entgleiten droht – selten war die hier dominierende, wackelige Handkamera mit ihrem beschränkten Sichtfeld passender. Langsam wird deutlich, wie es dazu kam: arbeitslos, von Frau und Kindern verlassen. Santiago säuft, kifft, redet, arbeitet, irrt durch einen spanische Stadt…

Segundo plato: Im Melodrama „Lo mejor de mí“ von Roser Aguilar steht ein junges Paar vor einer anderen existenziellen Herausforderung: Raquel und Tomás haben beide sozial abgesicherte Mittelschichtkarrieren: Sie Radiojournalistin, er Profisportler. Sie wollen zusammenzuziehen. Er erkrankt an Hepatitis. Die beiden verändern sich, reifen an der schwierigen Situation, vor allem Raquel, die im Mittelpunkt des Films steht. Heimlich testet sie, ob ihre Leber sich für eine Spende eignet. Er aber will nicht, dass sie sich gefährdet.

Tercer plato: Ebenso wie „Lo mejor de mí“ ist auch „Cenizas del cielo“ von José Antonio Quirós ein Erstlingsfilm eines Filmschulabsolventen – und der erste spanische Spielfilm über ein Umweltthema überhaupt. Gedreht worden ist er im Valle Negron, einem Tal in den Bergen Asturiens an der Nordküste Spaniens, dominiert von einem gigantischen Heizkraftwerk, aus dessen Schornstein Asche niedergeht. Ausgerechnet hier hat Pol Ferguson, Verfasser von Touristenführern, eine Autopanne. Er lernt Federico kennen, einen 70-jährigen Bauern, der seine Kirschbäume vor der Asche zu schützen versucht – und ein ganz anderes Verständnis von Ökologie hat als das großstädtische Bio-Konsum-Gehabe. Wie alle Filme läuft „Cenizas del cielo“ in Originalversion mit Untertiteln: Viele im Tal sprechen ein hybrides Asturianisch, dass sich vom Hochkastilisch deutlich unterscheidet. GASTON KIRSCHE

■ ab Do, 16. Juli, je 21 Uhr, 3001, Schanzenstraße 75 (im Hof), Programm: www.3001-kino.de