Brigitte Werneburg schaut sich in den Galerien von Berlin um

Kein roter Faden, nirgendwo, auf meinen konzeptlosen Wegen zur Konzeptkunst. Wie zum Beispiel der von Bridget Riley, die anknüpfend an Impressionismus und Pointillismus ihre Malerei zwischen Kunst und Wissenschaft positioniert und mittels Farbe und Form unsere Weltwahrnehmung analysiert. Max Hetzler zeigt nun ihre „Circle Colour Structure Studies“ aus den Jahren 1970/71. Erstaunlich großformatige Gouachen, Vorstudien zu ihren Gemälden, über deren Entstehung die diesjährige Trägerin des Goslaer Kaiserrings damals sagte, dass sie es vermieden habe, Formen zu färben, also keine farbige Form, sondern eine Farbform habe erschaffen wollen.

Josef Strau wiederum geht es um Textobjektsynthesen, für die er sogenannte Leselampen entwirft (die erste war die „Das Jahr im Rückblick“-Lampe, 2004, in der eigenen Galerie Meerrettich im Glaspavillon der Volksbühne), aber auch Poster und Gemälde und Papierarbeiten aus Typografie, Worten, Klebeband, Papier, Perlen etc., wie bei Daniel Buchholz in bemerkenswerter Folge zu sehen. Das Schöne dabei ist, dass Josef Strau alles kann – auch richtig gut schreiben, zum Beispiel hat er in der taz einen klugen Text über die Romane von Chris Kraus verfasst, der mit dem Satz aus Bob Dylans „Chronicles“ endete: „Don’t try to be professional, try to be confessional.“ Der Satz zum heutigen Rundgang.

Denn ist es professionell, Oliver Kern und Kai-Olaf Hesse auf die letzten zwei Zeilen zu quetschen? Aber wie sonst auf ihre Schau bei berg19 aufmerksam machen? Mit ihren auffällig unauffälligen Stadt- und Landschaftsbildern, in denen sie den New Topographic-Ansatz deutsch weiterschreiben. In Bildern, die sich von ganz alltäglichen Räumen und den sich in ihnen niedergeschlagenen gesellschaftlichen Befindlichkeiten provozieren lassen.