Anschaffen ist auch unter den Augen der Polizei beliebt

Das bundesweit einmalige Modell eines kontrollierten Straßenstrichs an der Geestemünder Straße in Köln bewährt sich. Prostituierte wie Freier nutzen das Gelände inzwischen ganz selbstverständlich. Damit sind die Frauen geschützt und medizinisch betreut werden sie dort auch noch

KÖLN | taz ■ | Das Kölner Modell eines legalen Straßenstrichs auf einem kontrollierten Gelände ist ein voller Erfolg. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Sozialpädagogischen Instituts (SPI), die gestern vorgestellt wurde. „Alle Zielsetzungen des bundesweit einmaligen Projektes sind erreicht worden“, fasst Monika Kleine vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. die Studienergebnisse zusammen. Seit 2001 können Prostituierte auf einem Gelände an der Geestemünder Straße in Köln-Longerich unter dem Schutz der Polizei und der Ordnungsbehörde anschaffen gehen. Zusätzlich bieten SkF und Gesundheitsamt dort Beratung für die meist drogenabhängigen Frauen an. „Die Zusammenarbeit aller beteiligter Institutionen hat den Erfolg ermöglicht“, so Kleine. Es habe sich eine „neue Kultur der Zusammenarbeit zum Wohle der Prostituierten“ entwickelt.

Das wurde allerdings auch Zeit. „Jede Nacht gab es gewalttätige Übergriffe“, erinnert sich die SkF-Geschäftsführerin an die bedrohliche Situation auf dem illegalen Drogenstrich rund um den Reichenspergerplatz Ende der 90er Jahre. Die Anwohner fühlten sich vom Straßenstrich und durch herumliegende Spritzen bedroht. Erfolglos bemühten sich Polizei und Ordnungsbehörde ab 1998, eine Sperrbezirksverordnung durchzusetzen und die Frauen zu verdrängen. Erst eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten brachte die Wende. Im Mai 2001 beschloss der Kölner Rat, das Utrechter Modell eines legalen Straßenstrichs auch in Köln umzusetzen.

Rund 300 Frauen nutzen inzwischen die Möglichkeit, auf dem geschützten Areal in Größe eines Fußballfelds ihrer Arbeit nachzugehen. Die acht so genannten „Verrichtungsboxen“, die mit einem Notalarm und einer Fluchttür für die Frauen ausgestattet sind, werden von Freiern auch tatsächlich genutzt. Polizei und Ordnungsbehörde sind auf dem von 12 bis 2 Uhr geöffneten Gelände ständig präsent.

„Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe auf Prostituierte ist, seit es das Gelände gibt, gleich Null“, berichtet Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Auch das Kölner Ordnungsamt zieht eine positive Bilanz. Seit 2001 seien 30 Hausverbote, meist für Zuhälter, ausgesprochen worden, sagt Robert Kilp vom Ordnungsamt; und auch in der Innenstadt gäbe es keine einschlägigen Probleme mehr.

„Ohne dieses Modell hätten wir die Frauen nie erreicht“, betont Gesundheitsdezernentin Sabine Christiansen (SPD). Die Ärztin von der Beratungsstelle zu sexuell übertragbaren Krankheiten, Heidrun Nitschke, bestätigt ebenfalls den großen Erfolg. „Rund 60 der dreihundert Prostituierten nehmen inzwischen unser Beratungsangebot an.“ Dies sei angesichts der hohen Fluktuation auf dem Straßenstrich sehr viel. Rundum zufrieden ist auch die Sozialdezernentin Marlis Bredehorst (Grüne). „Wir haben für die in einer äußerst prekären Lebenslage befindlichen Frauen einen Schutzraum geschaffen“, so Bredehorst zur taz. Trotz der angespannten Haushaltslage sind die notwendigen 480.000 Euro pro Jahr aus dem Sozialetat auch künftig gesichert.