WAS MACHT EIGENTLICH ...Nele Alder-Baerens?

Olympisches Gold gewinnen

Die Anfeuerungsrufe hört Nele Alder-Baerens nicht. Dafür läuft sie um so schneller. Die 25-jährige Berlinerin hat auf der 5.000-Meter-Strecke die Konkurrenz abgehängt – das olympische Gold ist ihr nicht mehr zu nehmen. Allerdings hat von ihrer sportlichen Spitzenleistung kaum jemand etwas mitbekommen. Denn Alder-Baerens ist taub, sie startete bei den Spielen für Gehörlose, Deaflympics genannt. Im australischen Melbourne sicherte sich die Athletin vor wenigen Tagen zudem die Bronzemedaille über die 10.000-Meter-Strecke.

Disziplin und Ehrgeiz stehen hinter dem Erfolg der Studentin. Ihren Tagesablauf bestimmt der Lehrplan. In den Pausen sowie am Morgen und Abend trainiert sie. Nele Alder-Baerens hat mit Mitte zwanzig bereits ein Biophysikstudium absolviert und promoviert zurzeit an der Humboldt-Universität.

Hürden hatte sie genug zu überwinden. Die Berlinerin trägt zwar dank moderner Technik eine Elektrode in der Ohrschnecke, die ihr geringes Hören ermöglicht. Um jedoch die Vorlesungen akustisch zu verstehen, reichte das nicht. Die Ausstattung der Professoren mit Funkmikrofonen war die Lösung. Auch in der Leichtathletik ist die Verständigung kompliziert. Häufig müssen optische Signale die Akustik ersetzen. Das ist ein Grund, warum der Gehörlosenverband eigenständige Spiele ausrichtet und sich nicht den Paralympics anschließt. Nele Alder-Baerens indes wünscht sich mehr Aufmerksamkeit – auch wenn sie Jubelrufe der Zuschauer nicht hören könnte.