Auch Braunschweig hat herausragende Architektur

Gegner des umstrittenen ECE-Einkaufszentrums mit Schloss-Fassade öffnen neue Front gegen das Projekt: Angeblich verletzt es das Baugesetz

er sich einen Zehn-Meter-Sprungturm im Schwimmbad vorstellt, kann zu dem Schluss kommen, dass sich die Planer des Einkaufszentrums im Braunschweiger Schlosspark heftig geirrt haben müssen. Das meinen jedenfalls die Gegner des derzeit wohl umstrittendsten Bauprojekts in Deutschland.

Deshalb erreichte in der vergangenen Woche das Verwaltungsgericht Braunschweig eine Klage, nach der das Einkaufszentrum „Schloss-Arkaden“ zehn Meter zu nah an die Nachbargrundstücke gebaut werden soll. Der Bebauungsplan verletze das niedersächsische Baugesetz. Damit sei er ungültig. Hinter dem Anwalt stehen nicht nur Kaufleute, sondern auch die potente Allianz, die in der Stadt mehrere Immobilien besitzt.

Der Hamburger Projektentwickler ECE plant, für 200 Millionen Euro auf 42.000 Quadratmetern Nutzfläche eine Mega-Mall mit 130 Geschäften und 1.500 Parkplätzen errichten. Vielen Händlern schwant Kaufkraftabfluss. Der Markt scheint gesättigt: Selbst in einer frisch renovierten Passage stehen schon Läden leer. Umweltschützer fürchten Lärm und die Versiegelung der letzten grünen Lunge im Zentrum der Stadt.

Architekten halten es außerdem für einen geschichtslosen Affront, dass große Teile des Shopping-Zentrums mit der Fassade des alten Welfenschlosses verpackt werden sollen. Bis zum Oberverwaltungsgericht ging Ende vergangenen Jahres eine Klage der Anti-ECE-Inititiative, die durchsetzen wollten, dass 24.000 für ein Bürgerbegehren gesammelte Stimmen anerkannt würden – vergebens.

Nun macht sich selbst Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann Sorgen. Der CDUler, der im vergangenen Jahr die Mall-Gegner mit Spott überzogen hatte, sagte der Braunschweiger Zeitung, durch die Klage könne die Stadt „in eine Situation geraten, bei der dort über lange Zeit nur eine Baugrube zu sehen ist“.

Ob die Mall tatsächlich zum Weihnachtsgeschäft 2006 ihre Pforten öffnet, scheint derzeit zumindest fraglich. Das Verwaltungsgericht werde wohl noch im Januar entscheiden, sagte Hoffmann. Außerdem sehe er die Probleme als „heilbar“ an.