NPD holt geschasste Neonazis heim

Die Neonazis Worch und Hupka sind bei der NPD wieder willkommen. Sie waren vor 3 Jahren ausgeschlossen worden

BERLIN | taz ■ | Beim Werben um Mitkämpfer für ihre neue Strategie einer rechtsextremen „Volksfront“ kennt die NPD keine Berührungsängste mehr. Erst wählten die Nationalisten mit Torsten Heise einen vorbestraften Aktivisten aus der Kameradschaftsszene in den Parteivorstand. Jetzt reicht die NPD-Spitze mit Christian Worch und Steffen Hupka zwei Personen wieder die Hand, die seinerzeit wegen ihrer Radikalität verstoßen worden waren. Die beiden sind prominenten Strippenziehern aus dem militanten Neonazi-Lager.

Keine drei Jahre ist es her, dass der Parteivorstand ein Auftritts- und Redeverbot gegen Worch und Hupka verhängt hatte. Von der Distanzierung will man in der Berliner NPD-Zentrale nun nichts mehr wissen. Die Abgrenzungsbeschlüsse seien nicht mehr gültig, versicherte NPD-Sprecher Klaus Beier der taz. Und nicht nur das: „Die NPD kann sich vorstellen, mit Worch im neuen Jahr auch Gespräche zu führen.“

Der Hamburger Rechtsextremist Christian Worch, in der Szene bekannt als regelmäßiger Organisator von Neonazi-Aufmärschen, dürfte das gern hören.

Seit Monaten hatte er in einschlägigen Internetforen Zweifel an dem „Volksfront“-Projekt gesät. Der von der Parteispitze gestartete Umarmungsversuch könnte nun für Bewegung im Lager der „Volksfront“-Gegner sorgen. In einem im Internet veröffentlichten offenen Brief mäkelt Worch zwar erneut an dem Bündnisprojekt herum. Gleichzeitig verkündet er seinen militanten Kameraden aber: Das „wesentliche Hindernis“ für eine Zusammenarbeit mit der NPD sei nunmehr entfallen. „Punktuelle“ Kooperationen mit der Partei könne er sich durchaus vorstellen. Falls die NPD konkrete Vorschläge habe, so der Neonazi-Quertreiber, dürfe sie sich gern melden: „Ich stehe noch immer im Hamburger Telefonbuch.“

In Sicherheitskreisen deutet man die neue Friedfertigkeit zwischen Worch und der NPD-Führung als taktisches Manöver: Die Parteispitze hoffe, damit einen ihrer härtesten Kritiker samt Anhängerschaft zu entschärfen. Worch wiederum wolle angesichts der positiven Resonanz auf die „Volksfront“-Idee verhindern, im politischen Abseits zu landen.

Im Gegensatz zu Worch reagierte das einstige Vorstandsmitglied Steffen Hupka laut NPD-Sprecher Beier bisher nicht auf den Kurswechsel der Parteispitze. Hupka, ebenfalls Organisator zahlreicher Neonazi-Aufmärsche, war in der Partei seinerzeit für die ideologische Schulung zuständig. In der Phase des Verbotsverfahrens hatte die NPD ihn wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen. Schlagzeilen machte Hupka zuletzt im im Zusammenhang mit dem Kauf des Schlosses Trebnitz in Sachsen-Anhalt. Hupka hatte dort angeblich ein rechtsextremes Schulungszentrum aufbauen wollen.