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Jo Groebel muss einpacken

Als am sehr frühen Morgen des 3. November 2004 das letzte Interview geführt war und die Mannschaft des Nachrichtensenders n-tv gerade die Mikrofone zu Bett gebracht hatte, erschien plötzlich ein verspäteter Gast in der Bertelsmann-Kommandantur zu Berlin. In den USA waren Wahlen, und Jo Groebel war wie immer noch fit. Trog der Eindruck, oder drängte sich der Direktor des Europäischen Medieninstituts (EMI) förmlich auf als Experte, der zu gern noch nach seiner bescheidenden Meinung zur Weltlage gefragt worden wäre?

Doch weggepackt war weggepackt. Der einzige über die Gabe der Omnipräsenz verfügende Medienexperte, der seit Jahren auf den üblichen Kongressen zum Kreis der üblichen Verdächtigen gehört, blieb ungehört. Ist da etwa ein Stern im Sinken?

Sein Institut jedenfalls hat Groebel schon versenkt. Es hat, so unlängst der Fachdienst epd Medien, allen MitarbeiterInnen gekündigt – bis auf einen: Jo Groebel. Für die anderen gab’s bei Gericht ein üppiges Abfindungsangebot: 500 Euro pro Nase – für mehr ist kein Geld da.

Das EMI wurde Opfer der Medienkrise, der fröhlich vor sich hin dilettierenden NRW-Medienpolitik – und seines Direktors: „Die Mitarbeiter mussten ohnmächtig zusehen, wie der Direktor das Institut völlig im Stich ließ“, zitiert epd ehemalige EMI-Aufsichtsräte. Das ganze Kongressrumgeturne, „seine exzessiven Reisen und persönlichen Ausgaben haben die Kosten erhöht“. Groebel selbst sieht das verständlicherweise anders: Er, als Institutsdirektor offenbar nicht gänzlich ausgelastet, habe sogar eigenes Geld aus zulässigen Nebentätigkeiten ins EMI gesteckt. Wie umfänglich die wiederum sind, mag man aus den Kongress- und Gutachterauftritten Groebels schließen – und aus der hübschen Summe von 25.000 Euro, die er allein 2003 ans EMI gezahlt haben will.

Wie sagte doch unlängst, wenn auch zugegebenermaßen in einem anderen Zusammenhang, unser Lieblingsmedienwissenschaftler? „Wer viele Jahre perfekt versorgt in dieser Kunstwelt lebt, droht den Wiedereinstieg in die Außenwelt nicht mehr zu schaffen, der wird abhängig.“