Zwei Kochstraßen sind eine zu viel

Die taz will eine Rudi-Dutschke-Straße anstelle der Kochstraße in Kreuzberg. Die wurde im 18. Jahrhundert nach dem Kommunalpolitiker Johann Jacob Koch benannt. Der aber ist auch Namensvetter einer weiteren Straße in Tempelhof

Berlin soll die Kochstraße an der Friedrichstraße ruhig rausrücken. Es gibt nämlich zwei Straßen in der Stadt, die nach dem gleichen Herrn Koch benannt sind: die Kreuzberger Kochstraße, die die Friedrichstraße kreuzt, und eine Kochstraße, die in Tempelhof-Schöneberg von der Königstraße abgeht. Keine Frage, Johann Jacob Koch, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von Berlin, hat viel für die Kochstraße und das Viertel darum getan. Aber zwei Straßen mit seinem Namen? Braucht man doch wirklich nicht.

Die Kochstraße in Kreuzberg verläuft von der Wilhelmstraße bis zur Lindenstraße durch das alte Zeitungsviertel Berlins. Ihre Entstehung hat sie König Friedrich Wilhelm I. zu verdanken, der sich auch als Stadtplaner versuchte. Benannt wurde sie 1734 nach Johann Jacob Koch. Der Kommunalpolitiker war von 1721 an Kommissar der Serviskammer und ab 1724 stellvertretender Bürgermeister von Berlin. Zudem führte er auf dem Tempelhofer Mühlenberg eine Meierei, die er auflöste und kostenlos als Bauland zur Verfügung stellte. Entschädigt wurde er dafür vom König mit den Grundstücken Kochstraße 21 und 65 sowie Friedrichstraße 209.

Wilhelm I. sorgte dann auch für reichlich Bebauung, übte auf die Beamten seiner Verwaltungsbehörde sogar Druck aus, dass sie Häuser in der Friedrichstadt errichten, selbst wenn sie schon Häuser in Berlin hatten. Auch die Gewerke und Zünfte sollten sich niederlassen. In der Kochstraße entstanden Innungshäuser der Silberdrahtzieher, Maler, Holzhändler, Mehlhändler, Gärtner und Destillateure. Der sonst für seine Sparsamkeit bekannte König stellte ihnen dafür auch Geld und Arbeitsmaterialien.

Es war in Preußen bereits üblich, den Bau von Häusern mit Vergünstigungen möglich zu machen, in der Friedrichstadt fiel aber auf, wie schnell gebaut wurde. Selbst wenn Grundstücke leer blieben und noch Bewohner fehlten, besang ein zeitgenössischer Poet schon die Schönheit der Gebäude. Bedeutende Anwohner waren unter anderen Hans Joachim von Zieten, General der Kavallerie, und Friedrich von Raumer, Geschichtsschreiber der Hohenstaufen.

Bis zum 20. Jahrhundert war die Kochstraße dann eine lebhafte Geschäftsstraße, die aber eher im Schatten der Leipziger Straße stand. Bekannter wurde sie um die Jahrhundertwende durch die Ansiedlung mehrerer Zeitungsverlage. Ununterbrochen hörte man die Druckmaschinen von Ullstein, Scherl oder Mosse stampfen. Inzwischen war die Straße dicht bewohnt, es gab vier Schulen, die Atmosphäre war durch das Zeitungswesen und seine Mitarbeiter geprägt. Sie spiegelte auch den lebhaften Kreuzberger Alltag wider und wurde zum Inbegriff von Pressewesen. Erst am 1. Juli 1964 wurde auch der letzte Teil der Kochstraße als Verlängerung bis zur Lindenstraße so benannt.