Mathebüffeln kann Spaß machen

In Berlin lehren zwölf Schulen Mathematik mit dem Unterrichtsansatz „Sinus“ – zum Beispiel das Rückert-Gymnasium

„Nennt eines der drei Rechengesetze, das ihr kennt“, so beginnt Angelika Marschall ihren Matheunterricht in der 5. Klasse. „Das Distributivgesetz“, sagt Moritz. Die Antwort ist richtig, und er schreibt sie an die Tafel. Ein anderer Schüler setzt ein Beispiel drunter: (3 + 4) x 7=3 x 7 + 4 x 7, das denkt er sich selbst aus. Danach sollen die Kinder überlegen, was man mit der Aussage „60 =“ alles machen kann. Natürlich hat jeder eine andere Idee, was alles 60 ergeben kann.

Genau das ist der Ansatz des Sinus-Programms: Die Schüler sollen lernen, eigenständig mit einem Problem umzugehen und verschiedene richtige Lösungsansätze zu finden. Von 1998 bis 2003 lief das Programm zur „Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“ (Sinus) bundesweit. Die Rückert-Oberschule in Schöneberg beteiligte sich daran, ebenso elf weitere Berliner Schulen. Aus dem Modellprojekt wurde im August 2003 das Nachfolgeprojekt Sinus-Transfer entwickelt.

Gesetzt wird dabei weiter auf offene Aufgaben, Qualitätssicherung – die ein Basiswissen der Schüler garantieren soll – und den Einsatz moderner Techniken. „Wir benutzen den TI 92-Computer, der Rechenarbeiten übernimmt. So können die Schüler sich auf Schwerpunkte einlassen und werden nicht durch lange Rechenwege aufgehalten“, sagt der Mathelehrer Matthias Schimmelpfennig. Der Matheunterricht bestehe nicht nur aus offenen Fragen, „das wäre ja furchtbar“, sagt Lehrerin Marschall. „Wir setzen auf den goldenen Mittelweg. Die Schüler nur mit offenen Fragen zu konfrontieren, würde sie überfordern – aber zum tieferen Verständnis sind sie sinnvoll.“

Sinus genießt eine große Akzeptanz und weist gute Erfolge auf. Im August 2004 wurde das Konzept auf Grundschulen ausgeweitet. „An Sinus-Transfer nehmen in Berlin zurzeit 48 Schulen mit über 300 Lehrkräften der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie teil“, sagt Rita Hermanns von der Bildungsverwaltung. „Von 2005 bis 2007 sollen 60 Schulen dazukommen.“ Ziel sei letztlich die flächendeckende Verbreitung einer veränderten Unterrichtskultur in den beteiligten Fächern.

Sinus trennt Lern- und Leistungssituationen dadurch, dass das Lernen verstärkt selbst organisiert wird. So können die Schüler in einigen Stunden beispielsweise den Schwierigkeitsgrad ihrer Aufgaben eigenständig wählen und werden so mit in die Verantwortung genommen.