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Am öffentlich-rechtlichen Stammtisch

„Berlin-Mitte“ mit Maybritt Illner. Die Diskussion um Muslime in Deutschland gerät zur Demütigung – nicht nur für die Muslime, auch für Marieluise Beck, die Bundesbeauftragte für Integration. Ein Skandal

Der CDU-Rechtsaußen Jörg Schönbohm konnte sein Glück kaum fassen: „Diese Debatte wäre vor zehn Jahren nicht möglich gewesen. Da wurde ich noch massiv angegriffen, wenn ich so etwas sagte.“ Stimmt. Heute hat der Stammtisch hat nun auch angesehene Sendungen wie Maybrit Illners ZDF-Talkrunde „Berlin Mitte“ am Donnerstagabend erreicht. Vor Millionenpublikum wird gesagt, was bislang nur geflüstert wurde: Muslime raus!

Der Bürgermeister von Neukölln („Die Multikulturelle Gesellschaft ist gestorben!“) liefert die konkreten Belege: Die Türken können immer noch kein Deutsch, haben sie ja auch nicht nötig, weil sie im Schutze der blinden Multikulti- Begeisterung der Mehrheitsgesellschaft inzwischen eine „Parallelgesellschaft“ mit türkischsprachigen Bäckern, Friseuren und Apothekern erschufen. Das allein sei noch kein Problem präzisiert Henryk M. Broder, denn chinesische, jüdische, spanische Viertel gäbe es schließlich auch in New York. Das Problem schafften die Muslime in Deutschland, die mit unserer Kultur nicht kompatibel seien.

Irritiert fragt Marieluise Beck, die Bundesbeauftragte für Integration, nach, ob sie nun über Rückkehrprogramme für Muslime reden wollten. Nein, das natürlich nicht, so Broder. Natürlich gäbe es auch gute Muslime, die seien aber heute nicht Thema, sondern „die massenhafte Einwanderung in die sozialen Systeme“.

Nadeem Elyas vom „Zentralrat der Muslime“ wird von Illner, Broder und Schönbohm behandelt, als sei er Bin Laden höchst persönlich. Was bei Illner inszeniert wurde, war keine rationale Auseinandersetzung mit dem Islamismus, sondern eine Peinlichkeit, die alle Muslime in Deutschland demütigt und beleidigt. So werden wir den Islamismus nicht überwinden, sondern Rassimus stärken. SANEM KLEFF