Wasserwerfer standen schon bereit, doch in letzter Sekunde wird die Räumung des "Autonomen Zentrums" gestoppt. Am Freitag soll ein Mietvertrag aufgesetzt werden.von Pascal Beucker

Das ist unser Haus! Besetzer vorm Autonomen Zentrum. Bild: dpa
KÖLN taz | Lange haben die BesetzerInnen ausgeharrt. Noch etwa vierzig sind es, die die Stellung gehalten haben. Sie sehen übermüdet aus, einige haben die vergangenen drei Tage kaum geschlafen. Doch am Donnerstag um kurz vor zwölf scheint ihr Kampf verloren.
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Ein Wasserwerfer richtet seine Spritzkanonen auf die große Barrikade vor dem "Autonomen Zentrum" im Kölner Stadtteil Kalk. Räumfahrzeuge kommen. Die erste Hundertschaft rückt vor. Die Polizei verschickt eine SMS an Journalisten: "Die Räumung hat soeben begonnen." Ein Besetzer summt lakonisch: "Der Traum ist aus." Vorschnell. Der Polizeieinsatz wird in letzter Sekunde gestoppt. Es folgt eine zweite SMS: "Keine Räumung. Gespräche wieder aufgenommen."
Seit fast einem Jahr ist die ehemalige Betriebskantine der Firma Klöckner-Humboldt-Deutz nun bereits besetzt. "Die Besetzung hat das Ziel, einen Raum zu schaffen, der abseits von Konsumzwang, Diskriminierung und Repression Platz für kreatives, politisches und kulturelles Leben bietet", erklärten seinerzeit die überwiegend jugendlichen AktivistInnen der Kampagne "Pyranha", die die Besetzung initiierten. Seitdem zog wieder Leben in das zweigeschossige Gebäude ein, das eine Immobilientochter der Stadtsparkasse Köln-Bonn jahrelang leer vor sich hin hatte gammeln lassen.
Mit wenig Geld, aber umso mehr Engagement entstanden Ateliers, Arbeitsräume, Holz-, Metall- und Farbwerkstätten, eine kleine Bibliothek, eine Fahrradwerkstatt, ein Infoladen, ein "Umsonst-Laden" und ein "autonomer Wintergarten". Zahlreiche Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Ausstellungen fanden im "Autonomen Zentrum" statt – und noch mehr Konzerte und Partys.
Von Anfang an bemühten sich die BesetzerInnen um eine Legalisierung ihres "Autonomen Zentrums". Doch bei der Sparkasse stießen sie bis gestern auf taube Ohren. Immer wieder hätten sie um Gesprächstermine gebeten. Erfolglos. Nachdem das Geldinstitut einen Räumungstitel erwirkt hat, eskalierte die Situation Anfang der Woche. Die BesetzerInnen begannen mit dem Barrikadenbau.
Gleichzeitig kündigten sie an, passiven Widerstand zu leisten. Am Donnerstagmorgen schien es dann so weit so zu sein – obwohl Kölns Polizeipräsident Klaus Steffenhagen dem SPD-Oberbürgermeister Jürgen Roters schriftlich seine Bedenken gegen eine Räumung mitgeteilt hatten. Die BesetzerInnen hätten sich schließlich bislang stets friedlich verhalten. Außerdem sei mit hinreichender Wahrscheinlichkeit "mit der zeitnahen Besetzung eines Ersatzobjektes zu rechnen".
Für 7 Uhr war die Räumung angesetzt. Aber mehrere Ultimaten der Polizei verstrichen konsequenzenlos – nicht zuletzt ein Erfolg zweier Vermittler: Jörg Frank von den Grünen und Jörg Detjen von der Linkspartei. Sie schafften es in stundenlangen Verhandlungen, den Sparkassenvorstand und die BesetzerInnen zu gemeinsamen Gesprächen über einen Mietvertrag zu bewegen.
Noch am Donnerstagnachmittag trafen sich ihre Abordnungen erstmalig auf neutralem Gebiet. Dabei einigte man sich darauf, dass am heutigen Freitag ein ordentlicher Mietvertrag aufgesetzt werden soll. Die Polizei öffnete ihre Absperrungen. Der Weg zum Autonomen Zentrum ist wieder frei.
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