Die evangelische und die katholische Glaubensgemeinschaft erhalten Jahr für Jahr Geld vom Staat. Grundlage ist eine Regelung, die das Heilige Römische Reich erlassen hat. von Philipp Gessler

So manche Kirche wäre ohne Staatshilfe nicht renoviert worden. Bild: dpa
BERLIN taz | Es war eine Fleißarbeit - aber nach einer Woche Recherche im Archiv der Staatsbibliothek von Berlin waren die Zahlen zusammen: Die Humanistische Union, die sich selbst eine Bürgerrechtsorganisation nennt und seit 1961 für eine klare Trennung von Staat und Kirche eintritt, hat errechnet, wie viel Geld der Staat seit 1949 an die beiden großen Volkskirchen als sogenannte Staatsleistungen überwiesen hat. Sie kommt auf eine Summe von rund 14 Milliarden Euro.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Den Berechnungen zufolge erhielten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Kirche allein im vergangenen Jahr zusammen etwa 460 Millionen Euro als Staatsleistungen von fast allen deutschen Bundesländern. Die Kirchenbaulasten der Länder sind darin noch nicht enthalten.
Die Staatsleistungen an die Kirche sind besonders umstritten, da sie im Wesentlichen auf zwei schon lange zurückliegenden Phänomen beruhen: Zum einen werden sie als Entschädigung gezahlt, nachdem die deutschen Länder im Jahr 1803 beim Reichsdeputationshauptschluss im Zuge der Säkularisation Kirchengüter erhielten. Zum anderen verpflichteten sich die deutschen Fürsten im Laufe des 19. Jahrhunderts immer wieder, die Geistlichen ihres Territoriums zu alimentieren - und das bis in die Kaiserzeit hinein.
Als nach der Revolution von 1918/19 das Bündnis zwischen Krone und Altar zerbrach und die Kirchen nun selbst für ihr Aufkommen sorgen sollten, erhielten sie zum Ausgleich die Staatsleistungen - allerdings mit der Vorgabe, dass dies nur vorübergehend und diese Regelung bald zu beenden sei. An eine Neuregelung machte sich aber weder die Politik der Weimarer Republik noch der Führer in der NS-Zeit noch die Bundesrepublik oder die DDR. Vielmehr wurde ins Grundgesetz bloß der entsprechende Passus der Weimarer Verfassung übernommen.
Die Humanistische Union nennt deshalb die weitere Zahlung der Staatsleistungen verfassungswidrig - und legte am Montag in Berlin einen Gesetzesentwurf vor, der die Grundsätze für ein Ende der Staatsleistungen festschreiben würde. Juristisch sei nur über eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht etwas zu erreichen. Dafür aber habe sich bisher keine Partei bereit gefunden, während Individualklagen nicht möglich seien, hieß es.
Der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz wollte das Anliegen der Humanistischen Union am Montag nicht kommentieren. Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, hatte schon Ende vergangenen Jahres gesagt: "Wenn der Staat das ablösen will, dann können wir darüber reden." Dazu sei man bereit - "allerdings zu fairen Bedingungen".
Diese Zahlungen an die Kirche sind schon ewig nicht bzw. nicht mehr gerechtfertigt. Die absolute Dreistigkeit dieser Sozial ...
@ Matthias Brandt: ...
"Wer sich nicht über das Christentum empört, kennt es nicht!"
Immer mehr Ungarn halten es unter der Orbán-Regierung nicht mehr aus und verlassen das Land. Viele kommen nach Deutschland. von Gabi Valaczkay

Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.