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Kaum steht Wolfsburg oben, siegt es wie die Bayern: mit einem Duseltor

Warum Bochums Weltklasse-Trainer Peter Neururer demnächst auch hinter dem Tresen Fachwissen verzapft

Die Fachleute des Fußballmagazins 11 Freunde gaben vergangene Woche bekannt, sie hätten „nicht unbedingt ihre Altersvorsorge darauf verwettet, dass nach fünf Spieltagen der VfL Wolfsburg ganz oben in der Tabelle steht“. Jetzt haben wir schon den sechsten gesehen, und die VW-Fußballer laufen noch immer vorneweg. Dass sie das 2:1 gegen den Exclub ihres Vorturners Erik Gerets mit spitzenreitertypischem Glückstor feierten, schmälert ihren sympathischen Außenseiterstatus allerdings schon wieder, denn das war bayernartig. Von denen blieben am Wochenende Karl-Heinz Rummenigges 49. Geburtstag, zu dem er hoffentlich einen Rasierapparat geschenkt bekam, und die Werbespots mit Mehmet Scholl und Uli Hoeneß am nachhaltigsten in Erinnerung. Selbst wenn Scholl auch beim Tipp-Kick etwas statisch wirkte, sah er dabei noch besser aus als seine Kollegen beim überflüssigen 3:1 gegen Freiburg.

Sieht man Tipp-Kicker im Fernsehen, schleicht sich reflexartig Berti Vogts in Erinnerung, der in seinem legendären Tatort-Gastspiel erst dem Kaninchen des Nachbarn „eine Möhre extra“ geben wollte, und dann beim Tipp-Kicken Bertihaftes zum Besten gab. Doch die Schauspielerei scheint sowieso ein Trainerlieblingshobby zu werden: Jetzt verbreitet Peter Neururer als Kneipenwirt in dem Streifen „Gib mich die Kirsche“ Fachwissen am Zapfhahn. Der nach eigener Aussage fachkundigste Trainer der Welt passt übrigens ganz gut hinter die Theke.

Dass Neururer sich eigentlich für Real Madrid berufen fühlt, unterstrichen seine Bochumer mit einem eindrucksvollen 1:4 auf eigenem Platz gegen Werder Bremen nachhaltig. In Madrid hat jetzt allerdings der Kotrainer das Sagen: Mariano García Remón klingt fast so gut wie Eddy Achterberg. Schade, dass es mit dessen „Hühnerfell“-Gefühlen nach dem Schalker 0:1 in Hannover auch schon wieder vorbei ist.

Auch bei Bayer Leverkusen könnte eine Erfolgsmeldung nichts schaden. Von einem Sieg gegen Real Madrid allein lebt es sich auch nicht ewig. Nach dem 0:3 in Stuttgart orientiert sich das Bayer-Punktekonto eher am Abstieg als an der Champions League. Selbst den Status der ewig besten Werkself mussten die Pillendreher nun an die VW-Monteure abgeben.

Die können nun also ihre Hemden mit dem Aufdruck „Spitzenreiter“ in die zweite Auflage geben. Als Warnung sei aber gesagt: Es gab auch mal einen Verein, der sich „Weltpokalsieger-Besieger“ auf die Brust drucken ließ. Der FC St. Pauli kickt mittlerweile in der Regionalliga Nord.

ACHIM DREIS