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„Resident Evil: Apocalypse“

Schlechte Zeiten für Raccoon City: Die Umbrella Corp. öffnet wieder die unterirdischen Labore. Im ersten Teil von „Resident Evil“ entfloh dort der schreckliche T-Virus, der aus Lebenden Tote macht, die dann doch nicht sterben. Zur allgemeinen Überraschung sind die Untoten des Labors in „Resident Evil: Apocalypse“ immer noch nicht tot, und auch der T-Virus erfreut sich bester Gesundheit. Nach ungefähr drei Minuten ist die gesamte Stadt infiziert. Fünf Schnitte und drei Kameraschwenks später staksen Horden von Zombies durch die Straßen. Sie sehen wie unterbezahlte Statisten aus, denen man einen Sack Mehl über die Köpfe geschüttet hat. Wie Zombies es nun einmal tun, verbeißen sie sich gern in die Körper ehemaliger Mitmenschen, und wenn sie es tun, klingt es wie der Biss in einen knackigen Apfel.

Der zuständige Tonmann hat seine Arbeit also zufrieden stellend erledigt, leider war er in dieser Hinsicht der Einzige des Teams. Kostüme, Licht, Kamera, Schnitt und Spezialeffekte sind eine Katastrophe, die Darsteller eine Zumutung. Ob Drehbuchautor Paul W. S. Anderson wirklich ein Drehbuch verfasst hat, darf man bezweifeln. Die angebliche Regie von Alexander Witt fand mit aller Wahrscheinlichkeit gar nicht erst statt. Dem Produzenten Bernd Eichinger („Der Untergang“), der in letzter Zeit offenbar eine Schwäche für Untote hegt, ist es zu verdanken, dass dieser Murks überhaupt in die Kinos kommt. Er möge sich in die Ecke stellen und schämen.

Nichts in diesem Film hat ansatzweise Sinn, keine der unzähligen Sinnlosigkeiten macht auch nur halbwegs Spaß. Zu welchem Zweck hat man das T-Virus überhaupt entwickelt? Warum wird eine gesamte Stadt infiziert, wenn es doch längst ein Gegenmittel gibt? Wieso schickt die Umbrella Corp. gegen die Zombiejäger die Kampfmaschine Nemesis ins Rennen, wenn man doch längst entschieden hat, eine Atombombe zu werfen?

Und wieso erinnert Nemesis – ein grober Klotz mit schwerem Schuhwerk – eigentlich an den Predator? Wieso hat Milla Jovovich als Heldin Alice eine Kollegin, die exakt wie Lara Croft aussieht? Warum sagt Milla Jovovich in diesem insgesamt 94-minütigem Film nach rund 70 Minuten den Satz: „Wir haben noch 47 Minuten Zeit“? Der angsterfüllte Kritiker riskierte zur Beantwortung dieser Frage jedenfalls einen Blick auf die Uhr seines Mobiltelefons und wurde daraufhin von einem energischen Sicherheitsmann aus dem Kino befördert. Wovor hatte man Angst? Dass er die Welt vor diesem Machwerk warnt? Dass er den Film mit seinem rund vier Jahre alten Nokiamodell ohne Fotofunktion ins Netz stellen könnte? Darauf gab es keine Antworten. Immerhin: So wurden immerhin fast 20 Minuten seiner Lebenszeit gerettet. Dafür vielen Dank.

HARALD PETERS