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Der Ozonschicht geht es besser – trotz Asthma-Spray

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Alles hängt doch irgendwie miteinander zusammen – zum Beispiel Asthmasprays und das Ozonloch. Dies verbirgt sich in einer Meldung des Statistischen Bundesamtes anlässlich des „Internationalen Tages zum Schutz der Ozonschicht“ in dieser Woche. Darin heißt es: Das Gefahrenpotenzial von Stoffen, die die Ozonschicht angreifen, ist in der deutschen Industrieproduktion gestiegen, und zwar um 6 Prozent in 2002 gegenüber dem Vorjahr.

Erstaunlich. Schließlich sind FCKW, die berüchtigten Fluorchlorkohlenwasserstoffe, längst aus neuen deutschen Schaumstoffen, Kühlschränken und Haarsprays verbannt. FCKW und andere Ozonschichtkiller sind in Deutschland verboten – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Und dank der weltweiten Ächtung gilt das Montrealer Protokoll von 1987 überall als große Erfolgsgeschichte internationaler Umweltpolitik.

Das Geheimnis der neuerdings vermehrten Ozonschichtschädiger ist schnell gelüftet: 2002 wurden mehr Asthmasprays in Deutschland hergestellt als 2001. In diesen Sprays ist FCKW als Treibmittel ausnahmsweise erlaubt, weil noch keine umweltfreundlicheren Alternativen auf dem Markt sind.

Die wachsende Zahl von Asthmatikern in den Industrieländern mag ein Grund zu großer Sorge sein, der FCKW-Einsatz in den Medizin-Aerosolen ist es nicht. „Wir reden hier über sehr geringe Mengen im Vergleich zu früher“, sagt Katja Schwaab von der Abteilung Technik und Produktbewertung im Umweltbundesamt. Seit den Achtzigerjahren ging die Herstellung aller ozonschichtschädigenden Chemikalien weltweit auf etwa ein Sechstel zurück. In der EU sind die Rechte für die FCKW-Produktion strenger reglementiert als die Milchquoten.

Auch in Deutschland nahm im Jahr 2002 die Produktion aller Ozonschicht-Schadstoffe mengenmäßig erneut ab: um gut 8 Prozent auf 2.562 Tonnen. Die jetzigen ozonrelevanten Chemikalien bestehen größtenteils aus den FCKW-Ersatzchemikalien in Kühlmitteln und Schaumstoffen, die aber viel harmloser sind als ihre Vorgänger. Die geringen Mengen der FCKW aus den Asthmasprays hingegen sind so aggressiv, dass hierzulande mehr als die Hälfte des Gefährdungspotenzials für die Ozonschicht auf ihr Konto geht.

Dieser Schutzschicht, die das Leben auf der Erde vor allzu schädlicher UV-Strahlung bewahrt, geht es besser. Ihr rasanter Abbau konnte trotz der langlebigen FCKW gestoppt werden. „Die Schicht hat sich stabilisiert“, sagt Rolf Sartorius vom Umweltbundesamt. Am Südpol, wo rund 70 Prozent fehlen, ist das Loch in der Fläche leicht geschrumpft. Und auf der nördlichen Halbkugel ist die Schicht etwas dicker geworden. Auch wenn nicht sicher ist, ob das eine langfristige Trendwende zum Guten bedeutet: Eine Erfolgsmeldung ist es allemal. BEATE STRENGE