Kommentar von GEREON ASMUTH
Unbenommen, dieser 1. Mai war ein Erfolg. Es gab wenig Sachschaden, Verletzte und Festnahmen. Von stundenlangen Straßenschlachten keine Spur. Das ist auch ein Verdienst der Polizei. Ihre Strategie der weitestmöglichen Deeskalation hat sie selbst nach heftigen Scharmützeln während der 18-Uhr-Demo nicht aufgegeben. Davor kann man nur den Hut ziehen.
Wer nun aber eine Jubelarie auf die Polizei einstimmt, hat entweder nicht genau hingeschaut - oder den Ort des Geschehens vor 22 Uhr verlassen.
Ab dann verfolgte die Polizei eine Strategie, die nur als pure Provokation verstanden werden konnte. Zwanzigertrupps zogen stundenlang wie Pac-Man-Figuren im Zickzack durch die anfangs ruhige Menge am Kottbusser Tor, wahllos mit Fäusten nach allen Seiten austeilend. So entstand die Unruhe, die die Polizei zum Anlass für zahlreiche Festnahmen und heftigen Pfeffersprayeinsatz nahm.
Gegen Mitternacht wurden gar Sanitäter, die sich vor Ort um teils unter Schock stehende Verletzte kümmerten, von den Beamten bedrängt. Wenn am Ende eines angeblich friedlichen Abends 150 durch Polizeispray Verletzte stehen, kann die Gesamtstrategie kein Erfolg gewesen sein.
Wie sich eine aufgewühlte Menge beruhigen lässt, hatte in der Walpurgisnacht eine zufällig vorbeikommende Bläsercombo gezeigt: mit Musik. Bevor die Polizeiführung noch mal ihre Spraytrupps auf die Menschen loslässt, sollte sie lieber über den Wiederaufbau des Polizeiorchesters nachdenken. Das könnte tatsächlich eine Jubelarie spielen - sogar am 1. Mai.
Michael Brenncke ist Travestiekünstler und Intendant der kleinsten Showbühne Berlins in Neukölln. Ein Gespräch über Tunten und Türken - und über Licht und Schatten.

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Leserkommentare
04.05.2011 17:14 | Meldeopfer
Polizeiorchester bitte mit Standbass, von den Dead Kennedys: "Too Drunk To Fuck", "Police Truck" und "Riot" ...
03.05.2011 22:42 | Milan Cemdir
"... Verdienst der Polizei. Ihre Strategie der weitestmöglichen Deeskalation hat sie selbst nach heftigen Scharmützeln währ ...