Hitlers hungrige Helfer

Die Vermarktung des Films „Der Untergang“ orientiert sich an erfolgreichen Vorbildern

Erst wenige Tage vor dem Kino-Start der neuen Bernd-Eichinger-Produktion „Der Untergang“ ist bekannt geworden, dass die Münchner Agentur Merchandising & Retails (M&R) das Marketing für den Film übernommen hat. „Nach der Zusammenarbeit mit Michael Herbig, den wir bei ‚(T)Raumschiff Surprise‘ sehr erfolgreich beraten haben, folgen wir nun der Strategie der vertikalen Integration von Konzeption und Marketing. Im Fall von ‚Der Untergang‘ ist das eine besondere Herausforderung für uns. Denn die Marke Hitler hat natürlich ihre eigenen Gesetze“, so ein Sprecher der Agentur.

Wie im Film soll auch beim Marketing „das Prinzip der Aufklärung“ im Vordergrund stehen. „Doch dafür braucht man Reichweite“, sagt Produzent Eichinger. „Wir haben in Deutschland dafür zwar noch lange nicht die nötigen Strukturen wie in Hollywood. Aber die Deutschen gelangen nun wieder in den Besitz ihrer gesamten Geschichte, und man sollte die noch immer notwendige Aufarbeitung nicht den Amerikanern überlassen. Diesen Auftrag habe ich gern übernommen.“

Als „einen der stärksten Partner, den der deutsche Markt zu bieten hat“, so die Agentur M&R, konnte erneut McDonald’s gewonnen werden. Der Konzern bietet einerseits drei Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Marketing – „Wiedererkennbarkeit, Auffindbarkeit, Assoziation“ – und andererseits „die größtmögliche Reichweite, größer als die Bild-Zeitung“. Die bundesweit 1.244 Restaurants zählen jährlich über 740 Millionen Kunden. Der Managing Director sagt: „Wir handeln nach dem Motto ‚Je stärker die Marke, desto größer der Erfolg‘. Und Hitler ist die stärkste Marke Deutschlands, nach wie vor. In der Tradition von Ray Kroc, dem Begründer unseres Unternehmens, streben wir nach seinem Motto: ‚Gebt der Gemeinschaft, in der ihr lebt, etwas von dem zurück, was sie euch gibt.‘ Pünktlich zum Kinostart von „Der Untergang“ am 16. September werden in sämtlichen McDonald’s-Filialen das Spezial-Menü „Hitlerburger Royal SS“ sowie „Eva Brownies mit Haselnussgeschmack“ angeboten, „für exakt zwölf Tage, genauso lange, wie der Führer im Bunker noch lebte“. Mit der Kampagne möchte sich McDonald’s „als Teil eines ungezwungenen Lifestyles beim Kunden etablieren“.

Filmemacher Michael Herbig findet die Fortsetzung dieser Kooperation „einfach genial“: „Der einzige Anspruch, den ich an Kino habe, ist die Unterhaltung. In welcher Form, ist mir egal.“ Schließlich, so Bernd Eichinger, habe man „auch im Nachkriegsdeutschland allmählich begriffen, dass es sich bei der Entertainment-Branche um eine Industrie handelt“.

McDonald’s ist jedoch nur ein Standbein, um den „Untergang“ zum finanziellen Erfolg zu führen – die ARD hat in die Produktion investiert, denn bei einem Budget von 13,5 Millionen Euro „wäre das Projekt sonst nicht zustande gekommen“, sagt Eichinger. So wird der Film nach seiner Kino-Laufzeit auch als Mehrteiler in der ARD zu sehen sein. Für den Sender endlich eine Gelegenheit, Guido Knopp Konkurrenz zu machen, der beim ZDF seine Historien-Sendungen („Hitlers Helfer“, „Hitlers Krieger“, „Hitlers Kinder“ et cetera) mit großem Quoten-Erfolg betreibt. Knopp selbst weiß um die Herausforderung, Geschichte „spannend wie einen Krimi für die breite Masse darzustellen“. Die Filmmusik spielt dabei eine entscheidende Rolle, um „Emotionen zu wecken und anschaulich zu vermitteln“.

Auch an dieser Stelle hat die Agentur M&R vorgesorgt: „Stefan Raab, der mit seiner Sendung ‚TV Total‘ bereits ein thematisch affines Format bietet, wird nach ‚(T)Raumschiff Surprise‘ auch zu ‚Der Untergang‘ den passenden Sound liefern und unter anderem eine Neuauflage seines großen Hits ‚Maschendrahtzaun‘ herausbringen.“

Eine richtige Entscheidung, sagt Knopp. „Auf diese Weise wird Geschichte sinnlich erfahrbar, und das für Millionen Menschen zu tun, ist eine politische Aufgabe, weil unser Verhältnis zur Geschichte in diesem Lande nach wie vor verkrampft ist.“

Dies bestätigt auch Stefan Aust, Chefredakteur des Spiegel, der dem „Untergang“ nicht zufällig eine Titelgeschichte gewidmet hat – der dritte Hitler-Titel bisher im Jahr 2004: „Heutzutage muss man sich eben in der Flut der Themen behaupten.“ Damit steht er in einer langen Tradition des Magazins. Schon Rudolf Augstein griff „bewusst auf ehemalige SD-Führer zurück, um seine auflagenstarken Geschichten über die NS-Zeit mit Insider-Kenntnissen würzen zu können“, sagt Paul Humberg im Magazin Criticón. Bernd Eichinger zeigt zwar grundsätzlich Verständnis für Kritik bei einer solch „sensiblen Thematik“, aber „man sollte die Moral einfach rauslassen. Die Moral hat noch niemandem gut getan.“ Und ist sich mit Guido Knopp einig: „Wer soll es machen, wenn nicht wir?“

TANJA KOKOSKA