Ein Geschenk für die Dschihad-Internationale

Der Irakkrieg hat einen von Bush vorgeschobenen Kriegsgrund verwirklicht: Im Land geben sich islamistische Terroristen ein Stelldichein

KAIRO | taz ■ | Bush hat es geschafft: „Der Irak ist heute Hauptfront im Antiterrorkampf“, verkündete er gestern. Ein Geständnis, das nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Angebliche Verbindungen zwischen Saddam Hussein und den Attentätern des 11. Septembers hatte die US-Regierung stets als Kriegsgrund mit angegeben. Handfeste Beweise dafür hatte sie allerdings nie geliefert, stattdessen den Vorwurf so oft wie möglich wiederholt. Mit Erfolg: Nur vier Prozent aller Amerikaner waren unmittelbar nach dem 11. September überzeugt, dass es eine Verbindung zu Saddam geben könnte. Kurz vor Ausbruch des Irakkrieges waren es immerhin 68 Prozent.

Inzwischen scheint genau das eingetroffen, was damals als ein fragwürdiger Kriegsgrund konstruiert worden war: Der Irak hat sich tatsächlich in das neue Operationsfeld für den internationalen Dschihad verwandelt. Der Krieg hat sich als ein Geschenk für militante Islamisten erwiesen, die es jetzt in einem chaotischen Land direkt mit US-Truppen aufnehmen können.

Wie viele freiwillige arabische Dschihad-Kämpfer in den letzten Monaten in den Irak eingesickert sind, ist unklar. Von bis zu 3.000 ist die Rede, die über Saudi-Arabien und über die iranische Grenze eingedrungen sein sollen. Über 200 sollen von US-Truppen bei Razzien bislang festgenommen worden sein, aber US-Kommandeure vor Ort geben offen zu, dass nicht genügend Personal zum Vernehmen und Übersetzen vorhanden ist. „Wir haben ein Problem, die Gefangenen schnell genug zu bearbeiten“, wie es Ricardo Sanchez, der Kommandeur der US-Truppen im Irak, beschreibt.

Bisher gibt es zwar Spekulationen, aber keinerlei Gewissheit, dass al-Qaida hinter den Anschlägen auf das UN-Gebäude und den Schiitenführer Bakir al-Hakim steckt. Argumentiert wird dabei immer, dass Autobomben und Selbstmordattentäter die Handschrift al-Qaidas trügen. Am Sonntag stritt Abu Abdel Rahman al-Nadschi, ein angeblich neuer Sprecher von al-Qaida, im arabischen Fernsehsender al-Arabia allerdings jegliche Verbindung zu dem Attentat auf Ajatollah Hakim ab, ohne aber den Anschlag auf das UN-Gebäude zu erwähnen. Bei der Gelegenheit warnte er noch vor weiteren Attentaten, die den 11. September harmlos aussehen lassen würden. „Wir versichern allen Muslimen, dass sich unsere Gefolgschaft verdoppelt hat …, unsere Verluste sind nichts gegenüber der guten Form, in der wir uns befinden. Unsere zukünftigen Märtyreroperationen werden das beweisen“, fügte er drohend hinzu.

Wenngleich er sich nicht geografisch festlegen wollte, ist doch klar, dass im Irak ideale Bedingungen für einen großen Schlag herrschen. US-Präsident Bush selbst erwähnte in seiner letzten Rede „Beirut und Somalia als Vorbilder, wie Terroristen in der Vergangenheit Amerikanern schaden konnten“. Beides Orte, in denen US-Truppen ähnlich wie heute im Irak unter chaotischen Bedingungen operierten und dafür am Ende einen hohen Preis bezahlten.

Unklar ist, ob im Irak Baathisten und radikale Islamisten im Fahrwasser al-Qaidas, wie oft vermutet, tatsächlich eine Allianz eingegangen sind, die sich militärisch und politisch koordiniert. Beobachter in Bagdad gehen eher davon aus, dass es keine direkte Zusammenarbeit zwischen beiden gibt, dass aber viele ehemalige irakische Armeeoffiziere der Baath-Partei den Rücken gekehrt haben und zu den militanten Islamisten übergelaufen sind. Selbst wenn arabische Freiwillige von außerhalb des Irak inzwischen für einige Anschläge verantwortlich sind, brauchen sie eine irakische Infrastruktur, die sie mit Waffen und einem sicheren Unterschlupf versorgt.

Seit ein paar Wochen haben einige der ständigen Operationen gegen die US-Armee eine neue Qualität erhalten. US-Militärs beklagen nun immer wieder Tote und Verletzte nach dem Einsatz komplizierter ferngesteuerter Minen, die in Plastiktüten oder in toten Tieren am Straßenrand platziert werden. Ein Hinweis darauf, dass mehr und mehr gut ausgebildete internationalen Dschihad-Kämpfer die idealen irakischen Bedingungen für ihre Zwecke nutzen.