Eine Befragung von 13- bis 19-Jährigen zeigt deutlich Anzeichen für Vorurteile gegenüber Juden. Diese münden oftmals in Feindseligkeit und Antisemitismus.von SARAH STRICKER

Irgendetwas müsse faul sein an Juden - so argumentieren viele Jugendliche Bild: dpa
BERLIN taz Irgendetwas müsse doch faul sein an den Juden. Sonst hätte man sie im Dritten Reich doch nicht verfolgt - so oder ähnlich argumentierten erstaunlich viele Jugendliche, die die Amadeu-Antonio-Stiftung zum Thema Antisemitismus befragte.
Am Dienstag stellte die Sozialwissenschaftlerin Barbara Schäuble, eine der Autorinnen, in Berlin das Ergebnis vor: "Ich habe nichts gegen Juden, aber ", heißt die Studie, die ein erschreckendes Bild zeichnet. So sind über die Hälfe der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss auf das Weltgeschehen hätten. Das überrascht vor allem, weil der Schwerpunkt der Analyse gar nicht auf jenen 5 bis 10 Prozent mit dezidiert antisemitischer Gesinnung lag. Laut Schäuble ist "die Unterscheidung zwischen antisemitischen und anti-antisemitischen Jugendlichen" nämlich "nicht haltbar". Stattdessen hätten die Forscher bei Gruppeninterviews mit 13- bis 19-Jährigen in ganz Deutschland "Splitter" von Feindseligkeit gegenüber Juden gefunden, die in der Bildungsarbeit aufgefangen werden müssten.
Eines der verbreitetsten Stereotype sei das vom "reichen Juden". Aber nicht allein das Klischee besorgt, sondern auch dessen Ursprung: Das habe man ihnen in der Schule so beigebracht, verteidigten sich die Jugendlichen. Die Schüler erführen sogar in Lehrbüchern, dass die Nationalsozialisten die Juden wegen angeblicher Verwicklung in die Finanzmärkte verfolgt hätten, sagte Schäuble. Die "wohlmeinende Aufklärung" ende jedoch zumeist an diesem Punkt. Wie es damals überhaupt zu diesen Vorurteilen gekommen sei, würde nicht vermittelt.
Die meisten Heranwachsenden hätten so wenig Kontakt zu jüdischen Altersgenossen, dass sie das Judentum nur über die Beschäftigung mit dem Holocaust kennenlernten. Juden seien in den Augen vieler vergleichbar mit einer nationalen Gruppe. Vielleicht ist hier auch zumindest eine Erklärung dafür zu finden, dass ein Teil der Befragten Juden nicht als gleichberechtigt ansieht: Die Aussage "Die in Deutschland lebenden Juden sollten in allen Bereichen die gleichen Rechte haben wie die übrigen Deutschen" lehnten über 20 Prozent ab.
Die Studie erscheint im Rahmen der "Aktionswochen gegen Antisemitismus", die rund um den 9. November Zeitzeugengespräche, Theater- und Filmvorführungen an mehr als 70 Orten umfassen. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse startete als Schirmherr der Aktionswochen die erneuerte Internetplattform www.mut-gegen-rechte-gewalt.de. Er sagte, dass die Politik zwar eine Verantwortung im Kampf gegen rechts habe. Er appellierte aber an die Medien, nicht nur über Aufreger, sondern auch über Positivbeispiele zu berichten.
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Leserkommentare
14.11.2007 22:50 | wodrinski rolf
Mein lieber JAN auch wenn sie mir ein frühes Ableben wünschen muss ich sie leider entäuschen,bin zwar schon 62 Jahre alt ha ...
11.11.2007 17:23 | Gast
Liebe Nicole! ...
08.11.2007 21:12 | fab
naja. es sind ja nicht nur die faschos die den antisemitismus in sich tragen. da sind auch noch ca. 3 millionen moslems, vo ...