Kurz vor angekündigten Massenprotesten in Brokdorf bremst Eon die Atomkraftgegner aus. Der Konzern verschiebt die Arbeiten, die blockiert werden sollen. von MARTIN KAUL

Die einen da hin, die anderen nach da: Brokdorf. Bild: dpa
BERLIN taz | Mit einer effektiven Blockade hat der Kernkraftwerksbetreiber Eon Atomkraftgegner in Brokdorf ausgebremst: Diese hatten für das Pfingstwochenende Massenblockaden von mehreren tausend Menschen am dortigen Atommeiler angekündigt, um die angekündigten Revisionsarbeiten zu stören – und damit dem Konzern hohe Ausfallkosten zu beschaffen.
Dumm gelaufen: Eon verschob die umfassenden Überprüfungsarbeiten nun um einige Tage – und könnte die Atomkraftgegner damit in die Bredouille bringen.
Die Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer, die gemeinsam mit dem Bündnis "Block Brokdorf" zu den Massenblockaden aufgerufen hatte, hatte in der Vergangenheit stets betont, in Betrieb befindliche Atommeiler aus Sicherheitsgründen nicht in die Aktionen einbeziehen zu wollen. Durch den jetzigen Weiterbetrieb des AKW Brokdorf müssen die Aktivisten damit über Pfingsten passen.
Während eine Eon-Sprecherin die Terminverschiebung auf "organisatorische und energiewirtschaftliche Gründe" zurückführte, feiert X-tausendmal quer die Verschiebung vordergründig als Erfolg und ruft stattdessen für das Folgewochenende zu Ersatzblockaden in Brokdorf auf. "Die angekündigten Blockaden haben den Atomkonzern unter Druck gesetzt", so Luise Neumann-Cosel, Sprecherin der Initiative. Tatsächlich aber rührt das Eon-Manöver auch an die Infrastruktur der Atomkraftgegner.
So hat das Bündnis "Block Brokdorf", ein Zusammenschluss linker und linksradikaler Gruppen, das neben X-tausendmal quer ebenfalls zu den Blockaden aufgerufen hatte, seinen Aufruf gestoppt. In dem Bündnis gibt es Zweifel daran, dass sich später noch genügend Blockierer zusammenfinden. "Wir diskutieren, wie wir mit der Situation umgehen, "so ein Sprecher, "aber wir werden nicht unsere eigenen Qualitätsstandards in der Blockadekultur unterlaufen. So was macht man ganz oder gar nicht."
Hintergrund ist auch eine gegenseitige Skepsis zwischen den zwei Bündnissen. Während die Linksradikalen strategische Alleingänge der gewaltfreien Sitzblockierer von X-tausendmal quer kritisieren, gibt es in deren Reihen die Angst, das Eskalationspotenzial linker Gruppen könne Demonstranten abhalten. Zwar sind die meisten Anti-Atom-Proteste der Vergangenheit gewaltfrei verlaufen. Und Bündnis Block Brokdorf betont, "dass von uns keine Eskalation ausgeht". Den Terminus "gewaltfrei" aber wird vermieden. Wenns aufs Maul gibt, muss also nicht nur gewimmert werden.
Es bleibt also offen, wie groß die angekündigten Blockaden am 18. Juni werden. Die Polizei bereitet sich weiter auf den Einsatz mehrerer tausend Beamter vor. Ein Sprecher sagte der taz, der Einsatz habe eine Dimension wie zuletzt nur Mitte der 1980er Jahre, als in Brokdorf mehrere zehntausend Menschen gegen die Inbetriebnahme des Kraftwerks demonstrierten.
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Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
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Leserkommentare
10.06.2011 19:09 | pablo
Stell dir vor es kommen tausend Polizisten und keine Demonstranten.....