Anonymous und spanischer Jugendprotest

Mutmaßliche Hacker in Haft

Sie haben Seiten von Parteien und Behörden blockiert. Die Hacker mischen mit bei den Protesten gegen die spanische Politik. Die Polizei glaubt, ihrer habhaft geworden zu sein.von Reiner Wandler

Wie hier in Malaga, gehören in vielen spanischen Städten die Anonymous-Hacker-Maskenträger zum ortsüblichen Protestszenario.   Bild:  rtr

MADRID taz | Spanische Polizeibeamte haben drei mutmaßliche Anonymous-Hacker verhaftet. Bei der Operation in Barcelona, Alicante und Almería sei die spanische "Führungsspitze" der Bewegung festgenommen worden, hieß es von Seiten der Polizei. Es wurden Computer beschlagnahmt. Die Verhafteten sollen direkt für Cyberangriffe auf Webseiten von politischen Institutionen, Parteien und Unternehmen verantwortlich sein. "Die Ermittlungen sind die ersten dieser Art gegen Anonymous in Spanien", erklärte die Polizei. Sie stünden in einer Reihe mit Fahndungserfolgen im Vereinigten Königreich und den USA.

Einer der drei Verhafteten, ein 31-jähriger Matrose auf einem Handelsschiff, habe in seiner Wohnung einen Server betrieben, von dem aus die Hackerangriffe gestartet worden seien. Unter anderem seien spanische Großbanken, der italienische Stromversorger ENEL, sowie mehrere arabische Regierungen unter den Opfern. Im Rahmen des arabischen Frühling wurden offizielle Webseiten unter anderem in Ägypten, Tunesien, Algerien und Libyen lahmgelegt.

Hacks gegen Parteien, Behörden und Polizei

Außerdem beteiligte sich die Hackerbewegung an Attacken im Rahmen der Jugendproteste in Spanien. Im Laufe der #spanishrevolution – wie sich die Bewegung gegen die Krisenpolitik, Jugendarbeitslosigkeit und für einen Ausbau der Demokratie nennt – wurden vor den Gemeinderatswahlen am vergangenen 22. Mai der Internetauftritt der konservativen Partido Popular, der Wahlbehörde sowie des spanischen Senats vorübergehend lahmgelegt. 

Nach dem Versuch, das Protestcamp in Barcelona mit einem brutalen Polizeieinsatz aufzulösen, nahmen die Hacker auch die Seite der katalanischen Autonomiepolizei ins Visier.

Bereits vor mehreren Monaten, als die Regierung damit scheiterte, ein Gesetz gegen Raubkopierer durchs Parlament zu bringen, brachen unter anderem die Seiten der spanischen Autorenvereinigung und des Parlaments zusammen. Die Methode war meist die gleiche: Es werden so viele Aufrufe generiert, das die Webseiten dem Datenverkehr nicht bewältigen können. Das Verfahren ist relativ einfach und nur schwer zu stoppen, da der Angriff zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt von unzähligen Computern überall auf der Welt gestartet wird. DDoS heißt dies im Hackerjargon. 

Die Anonymous-Maske als Symbol

Was lange eine nur schwer zu greifende, virtuelle Bewegung war, tritt seit dem 15. Mai, als die ersten Großdemos unter dem Motto "Echte Demokratie Jetzt!" weit über 100.000 Menschen in ganz Spanien auf die Straße brachten, mit Videos auf, in denen die aktuelle Entwicklung der Bewegung 15M und die Protestcamps kommentiert und unterstützt werden.

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Anonymous gehört zur Plattform "Echte Demokratie Jetzt!", die die Proteste über Facebook koordiniert. Die nächste Großdemonstrationen sind für den 19. Juni angesetzt. Auf den Protestmärschen in Spanien ist die Maske von Anonymous längst zum Symbol der Rebellion gegen das System geworden. "Die Erklärung der Polizei spricht für sich", erklärt einer der Mitbegründer von "Echte Demokratie Jetzt!", Jon Aguirre.

"Sie benutzt den Ausdruck 'Führungsspitze', den wir aus der Bekämpfung terroristischer Vereinigungen kennen. Anonymous ist eine horizontale Bewegung. Es gibt keine Führer", beschwert sich der 26-jährige Architekt aus Madrid. Für ihn sind die "surrealen Verhaftungen" ein "klarer Angriff gegen die Meinungsfreiheit und die Bewegung 15M".

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