Salo soll es schlichten

Alle Jahre wieder: Hamburgs FDP präsentiert einen brandneuen Parteichef. Der heißt Rolf Salo und will alles besser machen als seine Vorgänger. Der unterlegene Burkhardt Müller-Sönksen wird derweil nach Berlin verbannt

Es gibt Erfolgsmeldungen, die verkehren sich bei genauerem Hinschauen in ihr Gegenteil. Mit den Worten: „Seit November haben wir zu einer sachlichen Zusammenarbeit miteinander gefunden“, gewährt da der Hamburger FDP-Schatzmeister Ralf Leseberg einen Blick in das Innenleben der Hamburger FDP. Dabei gerät sein Vortrag so euphorisch, als hätte er den 120 Anwesenden soeben das achte Weltwunder präsentiert.

Die weiteren Nachrichten, die Leseberg den Parteitags-Delegierten zu verkünden hat, sind nicht ganz so klangvoll. Die Hamburger FDP hat im vergangenen Jahr ein sattes Minus von 132.000 Euro erwirtschaftet, und der Frauenanteil in der Mitgliedschaft ist weiter gefallen – auf nun klägliche 23,2 Prozent.

Doch interessieren solche Hiobsbotschaften die 120 in der Handwerkskammer am Holstenwall versammelten Delegierten? Nein! Sie sind gekommen, um einen neuen Parteichef zu küren. 13 Parteivorsitzende haben die Elbliberalen in nur 20 Jahren bereits verschlissen, was bei ihrer anhaltenden Mitgliederschwäche einem „Jeder darf mal“ ziemlich nahe kommt.

Favorit für das Amt ist diesmal Burkhardt Müller-Sönksen, der es im vergangenen Oktober schaffte, den bisherigen Landeschef Hinnerk Fock im Kampf um ein Bundestagsmandat zu deklassieren und damit in den Rückzug von der Hamburger FDP-Spitze zu treiben.

Ein Achtungserfolg wird seinem Kontrahenten zugetraut, dem 59-jährigen Rolf Salo, der bereits zwischen 2005 und 2007 als Vize-Landesvorsitzender amtiert hat, dann aber zurückgetreten war, weil er mit dem neuen Parteichef Fock nicht zusammenarbeiten mochte.

Dass seine Kandidatur kein Selbstlauf ist, wird Müller-Sönksen klar, als mehrere Delegierte vor das Mikrofon treten und ihn auffordern, sich zwischen Bundestagsmandat und Landesvorsitz zu entscheiden. Grüne Ämterhäufungsvorwürfe bei den Hamburger Liberalen – eine gänzlich neue Argumentation. Salo nutzt die Stimmung geschickt. Mit ihm als neuem Vorsitzenden könne die Hamburger FDP Müller-Sönksen den Rücken für den Bundestagswahlkampf freihalten, springt er geschmeidig auf den fahrenden Zug auf, ohne seinen Kontrahenten direkt zu attackieren. Dann verspricht er, was bislang alle Kandidaten versprachen, aber noch keiner hielt: Die Partei dauerhaft zu einen.

Als die Wahlstimmen ausgezählt sind, scharen sich die Fotografen um Müller-Sönksen, um seine Geste des Triumphs abzulichten. But the winner is: Rolf Salo – und das mit einem 70 : 40-Glasklar-Ergebnis. Hektisch wendet sich die Fotografenschar dem Überraschungssieger zu und von Müller-Sönksen ab, der derweil gute Miene zum bösen Spiel macht. Während auf dem Flur hinter vorgehaltener Hand die ersten Liberalen murren, mit dem innerparteilichen Burgfrieden sei es jetzt wohl wieder vorbei.