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Der echte Ströbele

Identitätsraub gibt es schon seit Jahrhunderten, im Internet blüht er wieder auf. Auch Hans-Christian Ströbele wurde Opfer – und bedankt sich dafür in einer Videobotschaft.von Rasmus Cloes

Bleibt entspannt: Hans-Christian Ströbele.  Bild:  dpa

BERLIN taz | Seit Jahrhunderten versuchen sich Menschen einen Vorteil zu verschaffen, indem sie vorgeben, eine andere Person zu sein. Im 13. Jahrhundert etwa gab sich Tile Kolup als längst verstorbener König Friedrich II. aus. Er wurde dafür von einem Widersacher verbrannt. Cassie Chadwick betrog Banken, indem sie sich als Tochter Andrew Carnegies ausgab, des reichsten Mannes ihrer Zeit. Sie starb in Haft.

Heute sind die Strafen für Identitätsbetrug weniger drakonisch, eine neue Blüte erlebt dieser aus einem ganz anderem Grund: Im Internet ist es leicht, eine andere Person zu sein. Auf sozialen Netzwerken braucht es nur ein paar Klicks, um Gesicht und Namen zu wechseln. Besonders Berühmtheiten werden immer wieder imitiert.

Hans-Christian Ströbele, grüner Abgeordneter im Bundestag, etwa hatte Monate lang auf Facebook ein Profil, ohne davon zu wissen. Ein Unbekannter schrieb für ihn Nachrichten oder fand neue Freunde.

"Es waren sogar einige Mitarbeiter seines Büros mit ihm befreundet", sagt Katrin Schmidberger, persönliche Referentin von Christian Ströbele. Auch sie hätten erst nichts gemerkt. Aufgeflogen sei der Betrug erst nach etwa drei Monaten. Da hatte das Profil schon 3.500 Freunde.

Ströbele selbst fand den Betrug weniger schlimm. In einer Videobotschaft bedankt er sich bei der unbekannten Person, die ihm, wie er glaubt, "etwas Gutes tun" wollte. Die Seite sei schön gewesen. Das bestätigt auch Schmidberger "es wurden spannende Informationen etwa über Kreuzberg gepostet. Da wurde Christian schon richtig dargestellt".

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Die Seite war sogar so gut, dass der Abgeordnete gerne weiter mit dem Macher zusammengearbeitet hätte – ähnlich wie das ZDF, dass vor einem Jahr die nicht-autorisitierten Betreiber des Twitterkanals @ZDFonline einfach einstellten. "Wir haben ihm Nachrichten geschickt, aber er hat sich nie zurückgemeldet", so Karin Schmidberger.

Derart positive Erfahrungen machen wenige. Ein Kate-Winslet-Hochstapler hat auf seinem Profil Angelina Jolie als "fettlippige verrückte Kuh" bezeichnet. Eine falsche Angelina Jolie antwortete und nannte sie einen "blutsaugenden Vampir". Die beiden Stars besaßen bis da kein offizielles Profil. Alles nur Spielerei?

"Ein solches Profil zu erstellen ist erst mal nicht verboten", sagt der Internetrechtler Dr. Alexander Schmidt. Das Problem beginne, wenn der Täter bewusst falsche Informationen über das Opfer streue. Das sei verboten. In England wurde sogar schon ein Urteil zu einem solchen Fall gesprochen. Ein Geschäftsmann bekam 2008 eine Entschädigung von 22.000 Pfund, weil ein ehemaliger Freund ein Profil von ihm anlegte und falsche Informationen über seine Sexualität und seine finanzielle Situation postete.

Es stellt sich am Ende die Frage, inwieweit ein Facebook-Profil überhaupt die Identität eines Stars darstellt. Denn betreut werden sie zumeist durch professionelle Firmen. Entweder sind es also erwünschte oder ungewollte Ghostwriter. Die wirkliche Person sitzt fast nie hinter dem Profil.

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