heinz rudolf ist ein geruch aus deutschland von WIGLAF DROSTE

Zwei, die einander sehr verdient haben, sind Deutschland und Heinz Rudolf Kunze. Sie sind einander so ähnlich, dass sie entsetzt voreinander fortlaufen müssten, aber dann tun sie sich doch in Kumpanei zusammen: gleich dumm, gleich schäbig, gleich abstoßend. Kunze, der sich für einen Musiker und Dichter hält, obwohl er das Gegenteil davon ist, nämlich ein verkniffener Deutschlehrer, teilt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Das Magazin mit, wie er sich ganz entsetzlich um Deutschland sorgt. Lass es raus!, ruft er sich rockistisch zu, und das tut er dann auch, auf seine Weise: „Ich mache mir Sorgen, und das lasse ich auch raus.“

Was aber ist das Rausgelassene? Wie hört es sich an? Wie ist es beschaffen? Wie fühlt es sich an, wie riecht es? Es müfft nach Schultornister: „Summa summarum bemühe ich mich dabei aber um Humor und Überleben.“ Es wäre nur trostfern, wenn es nicht auch noch so blöd wäre. „Er hat sich bemüht“ ist die Standardformulierung für einen, der es gar nicht kann, aber wenn einer von sich selber sagt, dass er sich „summa summarum bemüht“, dann handelt es sich um die grässlichste Sorte Versager, die es gibt: den ambitionierten Versager, der etwas „beitragen“ und „einbringen“ möchte, wie Heinz Rudolf Kunze, der in der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“ des Bundestages „etwas einbringen kann“, wie er sagt. Was aber bringt der Einbringer ein? „Ich mag dieses Land, sonst würde ich mir nicht so viele Gedanken darüber machen.“ Ach so.

Sülze in den Rang eines Gedankens heben, das kann Heinz Rudolf Kunze. „Wir wollen wie das Wasser sein, das weiche Wasser bricht den Stein“, dichtete und sang er einst gemeinsam mit dem nicht minder geschaftlhuberischen, gleitmitteligen Diether Dehm. Der SPD, der sie den Flachsinn als Parteihymne andrehten, kehrten beide den Rücken. Während Dehm seine Plattitüden längst als PDS-Funktionär durchs Land trötet, hat Heinz Rudolf Kunze in Hannover die Liebe zum Eigenheim, zur Dogge und zum Stahlhelm entdeckt: „Ich finde es viel interessanter, in meinem Alter das kreative Sprengpotenzial eines Ernst Jünger zu entdecken als das eines Günter Grass, denn das habe ich längst entdeckt.“ Wer sich jahrelang mit Grass einschläferte, gibt sich mit Jünger den Rest. Wer Musicals mit Musik verwechselt, kann auch Schlaftabletten für Dynamit halten.

Dass „Popmusik in der Werbung und im Alltag völlig vereinnahmt“ wird, findet Kunze „beklemmend“, will auch keine „Werbung für irgendeine Partei machen“ – und schaltet flugs in seinen Werbespot für den niedersächsischen Ministerpräsidenten: „Ich gebe gerne zu, dass ich eine große Sympathie für Christian Wulff empfinde. […] Ich finde, dass Wulff eine neue Generation in der CDU repräsentiert, eine neue Sichtweise und eine neue Art von Lockerheit […].“

Heinz Rudolf Kunze aus Espelkamp hat es weit gebracht; er kennt jetzt einige Politiker und spricht darüber: „Ich bin allerdings auch mit Guido Westerwelle bekannt, ebenso mit Gregor Gysi, und ich habe nach wie vor ein gutes Verhältnis zu Björn Engholm.“ Das ist ja hoch interessant, das ist wissenswert, das ist, mit Heinz Rudolf Kunze gesprochen, Sprengpotenzial.