JANE DE HOHENSTEIN/SALVADOR DA BAHIA

Die Trommelgruppe

Der Pelourinho, die historische Altstadt von Salvador mit dem Kopfsteinpflaster, das einst Sklaven mühsam Stein für Stein klopften, ist in festlicher Stimmung. Die Straßenbars sind überfüllt. Heute spielt Olodum, die berühmte Trommelgruppe von Salvador. Sie verkörpert wie keine andere die Magie der nordbrasilianischen Stadt. Ihre Musik steht auch für die politischen Forderungen der schwarzen Bevölkerung nach Gleichberechtigung. Schwarze, Mulatten und Weiße, Jung und Alt drängeln sich durch die Gassen. Schwarze Frauen mit kunstvollen Flechtfrisuren und tiefen Dekolletés, die Männer haben ihre Haare mit dem Rasiermesser in raffinierte Muster geschnitten, ihre Tennisschuhe sind ohne Flecken.

Der Platz im Freien, wo Olodum spielt, ist rappelvoll. Blicke schweifen hin und her, die Anmache zwischen „gringas“ und „negões“ läuft auf vollen Touren. Olodum kommt auf die Bühne. Zuerst die Trommler mit den kleinen Trommeln, „repique“ genannt, die einen hohen durchdringenden Sound erzeugen. Die Trommler schlagen diese Trommel mit dünnen selbstgeschnitzten Holzstöcken. Dann die großen zweifelligen Basstrommeln, welche die hochgewachsenen Trommler mit breiten Gürteln umgehängt haben. Zum Spielen benutzen sie dicke Holzschläge mit rundem Kopf. Der Bandleader tritt als Letzter auf die Bühne. Die Musiker tragen lange „Capoeira“-Hosen mit seitlichen Streifen in den Reggae-Farben. Die Haare sind kunstvoll geflochten. Das afrikanische Erbe wird stolz gezeigt

Trommeln in den Farben Rot, Gelb, Grün und Schwarz, den Farben der Rastafari-Bewegung, des Reggae, den Farben des Panafrikanismus und der schwarzen Diaspora. Das Grünrepräsentiert die Urwälder Afrikas, das Gelb das Gold desafrikanischen Kontinents, das Rot das Blut der schwarzen Rasse und das Schwarz den Stolz der Afrikaner. Die Farben symbolisieren das Universum von Olodum.

Der Rhythmus ist afrikanischen Ursprungs, kommt von den Rhythmen des Candomblé, der afrobrasilianischen Religion, aus der polyrhythmischen Struktur des Samba de Roda, der in jedem Stadtviertel von Salvador gespielt wird und jedes Mal anders klingt. Eine Mischung aus Reggae, Merengue, karibischen Rhythmen, sogar Rap und Rock. Olodum spielt ohne Unterbrechung. Stundenlang. Sänger singen ihre selbstkomponierten Lieder, die von dem Leben der Schwarzen, ihrem Leid, ihrer Kraft, ihrer Liebe handeln. Sie heizen die Menge an.

Attraktive Vortänzer mit durchtrainierten Körpern zeigen den unbeholfenen Touristen die Tanzschritte, ziehen das Bein nach, drehen sich um sich selber, klatschen in die Hände, werfen sie in die Luft, rollen mit den Hüften. Der ganze Platz tanzt im Gleichschritt mit. Die Luft ist gefüllt mit Trommeln, Gesang, Lachen und Schreien. Olodum ist Kult!