Mit Airbus ab in den Süden

Länger, teurer, schädlicher: Verlängerung der Airbus-Werkspiste Finkenwerder zerstört Obstbauerndorf Neuenfelde und beeinträchtigt Deichsicherheit im Alten Land. Höhere Kosten für die Stadt, räumt ein vertrauliches Senatspapier ein

von SVEN-MICHAEL VEIT

Die Verlängerung der Start- und Landebahn des Airbus-Werks in Finkenwerder für die Teilmontage des Riesenjets A380 kommt Hamburg teuer zu stehen. Die Stadt wird zusätzliche Kosten in Höhe von mindestens 56 Millionen Euro tragen müssen, das Obstbauerndorf Neuenfelde südlich der Piste wird stärker beschädigt, als bislang eingeräumt. Auch die dortige St.-Pankratiuskirche mit einer der weltberühmten Arp-Schnitger-Orgeln wird vermutlich in Mitleidenschaft gezogen. All das hatten Airbus und Senat bislang bestritten, all das räumt eine vertrauliche Senatsdrucksache nun ein.

In dem 15-seitigen Papier der Wirtschaftsbehörde, das der taz hamburg vorliegt, wird der massive Druck deutlich, den der zweitgrößte Flugzeugkonzern der Welt auf Hamburg ausübt. So müssten die „vorbereitenden Baumaßnahmen spätestens im August 2003 beginnen“, um die von Airbus geforderte „Fertigstellung bis Frühjahr 2006 einhalten zu können“, schreibt der für die Werkserweiterung zuständige Behörden-Amtsleiter Gunther Bonz.

Die „erhebliche weitere Verlängerung nach Süden“ beträgt demnach 589 Meter auf insgesamt 3.273 Meter. Diesen Umfang hatte Airbus am 31. Mai 2002 offiziell bei der Stadt beantragt. In der aktuellen Senatsvorlage wird nun zugegeben, was bislang bestritten wurde: Zuzüglich unbefestigter Sicherheitszonen kommen weitere 150 Meter Länge auf einer Breite von 300 Metern hinzu. Der zusätzliche Flächenbedarf beträgt demnach 44 Hektar.

Diese Schneise reicht weit nach Neuenfelde hinein, mehrere Grundstücke müssten enteignet und die Häuser abgerissen werden. Dieser Weg, so die Drucksache, „müsste beschritten werden“, die „Folgewirkungen“ sowie die „Gefährdungspotenziale“ für die Kirche würden aber „im Planfeststellungsverfahren ermittelt und mit den Betroffenen erörtert“.

Für die weit nach Süden ins Alte Land reichende Werkspiste müssen zudem Deiche rückverlegt, das Naturschutzgebiet Alte Süderelbe beschnitten und die Straße Neuenfelder Hauptdeich umgeleitet werden. Die Reste Neuenfeldes würden somit auf einer Verkehrsinsel zwischen drei neuen Straßen stehen: eine südliche Zufahrt zum Airbus-Werk und der ins Dorf hinein verlegte Neuenfelder Hauptdeich sollen dort an die geplante Ortsumgehung Finkenwerder anschließen.

All das will die Wirtschaftsbehörde sich was kosten lassen. Zu dem bislang bewilligten „Kostenkorridor“ von bis zu 660 Millionen Euro seien weitere 56 Millionen Euro für „das Gesamtpaket“ zu veranschlagen. „Angesichts dieses Umfangs“ sei wohl, rät die Behörde, eine Unterrichtung der Bürgerschaft durch den Senat „angezeigt“.

Bis zum nächsten Dienstag, so die Aufforderung an die anderen Hamburger Behördenchefs, hätten diese ihre zustimmenden Stellungnahmen einzureichen, eine Beschlussfassung durch den Senat ist für den 29. Juli vorgesehen. Danach würde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, der Baubeginn ist für Oktober 2005 vorgesehen. Denn, das stellt die Drucksache ebenfalls klar: „Alternative: Keine.“

„Airbus wird für die Zerstörung des Alten Landes auch noch fürstlich belohnt“, kritisiert Manfred Braasch, Geschäftsführer des Hamburger Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der Flächenfraß würde Landwirtschaft rings um Neuenfelde unmöglich machen, den dortigen Obstbauern ihre Existenzgrundlage nehmen sowie Arbeitsplätze vernichten. Und das alles, so Braasch, auf Kosten des Steuerzahlers: „Ein skandalöser Fall von Subventionsmissbrauch vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen.“