Hamburg, mit anderen Augen gesehen: „A wall is a screen“ beim Internationalen Kurzfilmfestival

Indische Beatles bei Karstadt

Wie in vielen Innenstädten verschwindet auch in Hamburg zunehmend Wohnraum, um neuen Gewerbeflächen Platz zu machen. Tagsüber belebte Einkaufspassagen werden nach Ladenschluss zu Unorten, an denen kein öffentliches Leben stattfindet. Das wollen die drei KuratorInnen von „A wall is a screen“ ändern. Im Rahmen des 20. Kurzfilmfestivals Hamburg laden sie ein zu einem nächtlichen Rundgang durch die Hamburger Innenstadt, deren Wände und Schaufenster zu Projektionsflächen für Kurzfilme umfunktioniert werden. Die Aktion soll zeigen, dass Filme nicht zwingend ins Kino gehören. Aus der Korrespondenz zwischen Film und Umgebung können sich ganz eigene Geschichten entwickeln: Schaufensterpuppen scheinen im Film mitzuspielen, Geräusche auf der Straße passen plötzlich zur Handlung.

Dabei kann es durchaus zu Missverständnissen kommen. Beim Probelauf wurde auf der Seitenwand der Staatsoper ein Kurzfilm über Kamerun gezeigt : Ein Einheimischer erzählt vom harten Überlebenskampf im Regenwald. Das Opernpublikum strömte gerade aus den Ausgängen und blieb interessiert stehen. Drei ältere Damen fragten, ob dies eine antirassistische Aktion für arrogantes Opernpublikum im Zusammenhang mit der Othello-Aufführung sei und wurden ganz leise angesichts ihrer teuren Eintrittskarten. „Kommen Sie von Greenpeace?“, wollte eine andere Passantin wissen.

„A wall is a screen“ war eines der Highlights auf dem Kurzfilmfestival im vergangenen Jahr. 500 ZuschauerInnen zogen durch die Innenstadt. Dieses Jahr wurden die drei MacherInnen von „A wall is a screen“ sogar auf die Berlinale eingeladen, um ihr Projekt vorzustellen. Die Idee zu dem Projekt kam ihnen beim Kurzfilmfestival Hamburg, wo sie sich seit acht Jahren um die Technik kümmern. Das Programm stellen sie aus dem Fundus der Kurzfilmagentur und den Einreichungen zum Festival zusammen.

Am Cinemaxx startet das Ganze, nach einer Station bei der Staatsoper geht es über den Jungfernstieg in die Spitaler Straße. An der Wand von Burger King am Mönckebergbrunnen erzählt ein beleibter Autofahrer während eines Drive Inn-Besuchs von seinen Lieblingsburgern, die er sich seit 25 Jahren dort abholt.

Dass Film und Leinwand thematisch korrespondieren, ist jedoch kein Muss. Den MacherInnen geht es vielmehr darum, einen anderen Blick auf Bekanntes zu vermitteln. „Wenn man aus dem Urlaub kommt, erscheint eigentlich Vertrautes plötzlich anders und fremd. Genauso ist es auf unseren Rundgängen, wir entdecken die Hamburger Innenstadt durch die Filme neu“, erklärt Kerstin Budde.

In einem kleinen Handwagen wird die Technik transportiert, während die ZuschauerInnen von einer Station zur nächsten ziehen. An jeder Wand läuft jeweils ein Kurzfilm, nur bei Karstadt – der Endstation der filmischen Nachtwanderung – werden mehrere Streifen gezeigt. Nicht entgehen lassen sollte man sich den Film über eine indische Beatles-Cover-Band. Sie singt „I wanna hold your hand“ auf Hindi mit grandiosen Tanzeinlagen. Kathleen Fietz

Do, 10.6. und So, 13.6. Start: 22.30 Uhr, Cinemaxx am Dammtor