Vom Illies? Dann willies!

Morgen erscheint der Generation Golf ihr neues Zweitbuch. Und die Wahrheit präsentiert schon heute den Exklusiv-Vorabdruck:

Wir saßen mal wieder in der kobaltblauen Gaggenau-Wohnküche zusammen, in der Ecke fauchte der geleaste Jura-Espressovollautomat, der ja in den Siebzigern noch die achteckige Alukochkanne aus Italien und in den Achtzigern der Aufkochautomat von Krups gewesen war, und der Justin, die Annabelle, die Carolin und der Constantin und ich, wir spielten mal wieder das Wisst-ihr-noch-Spiel, denn ich wollte mir authentische Notizen dabei machen, um noch mal das gleiche Buch zu schreiben, das ich kürzlich schon geschrieben habe, wir erinnerten uns gemeinsam an den Titel, es hieß „Generation Golf“, und darin habe ich mitgeteilt, wie wir heute so drauf sind und wie wir früher drauf waren, als der Constantin und die Carolin und die alle noch studiert haben oder beim Konfirmationsunterricht waren.

Aber jetzt haben wir ja 500.000 Euro Vorschuss für ein Sequel bekommen (also ich, der Justin und die Annabelle natürlich nicht), und damit das für meinen schön doofen Blessing Verlag kein totales Finanzdesaster wird, haben wir das Buch halt einfach „Generation Golf zwei“ genannt, damit auch die total Behämmerten, und ohne die geht’s ja nicht, damit auch die kapieren, dass das irgendwie noch mal die gleiche Soße ist, dass praktisch der Royal TS jetzt wieder da ist. Aber das ist für unsere Generation ja auch mal interessant, dass wir uns ein zweites Buch kaufen, weil wir alle hatten ja bisher nur eines, also der Justin, die Annabelle, die Carolin und der Constantin, die hatten ja bisher alle nur das erste Buch von mir, höchstens vielleicht noch eins von Stucki oder Chrissi Kracht, wir sind ja alle, wie auch mein Ex-Chef Schirrmacher, beim gleichen Agenten, aber mein Buch hat sich halt am besten verkauft, und deswegen mach ich’s jetzt noch mal.

Dass die alle nur dies eine Buch haben, das kann man ja klar sehen bei dem Zeugs, das sie bei Amazon als Leserstimmen abgeben, wo dann drinsteht, wie herrlich das ist, sich am Sonntag gemeinsam ins Bettchen mit der Biber-Bettwäsche zu kuscheln und ganz toll gemütlich Tee zu trinken, und dann lesen wir uns gegenseitig aus dem Golfbuch vor und die Carolin sagt zum Justin: „Stimmt, genau so isses“, und der Justin muss auch ganz doll süß schmunzeln und sagt dann: „Also, is ja voll geil, wie das so genau so beschrieben ist, krass, echt“, deswegen radebrecht bei Amazon ja auch „eine Rezensentin aus Hamburg“ ohne Punkt und Komma: „Wer in diesen Erinnerungen schwelgen will, MUSS einfach dieses witzig geschriebene Nuch lesen“, so schreiben halt die Nlödköpfe, mit denen ich die Kohle mache, sie sind halt auch so süß begeisterungsfähig, und dann tippen sie sogar: „Zum Totlachen – für jeden, der so Anfang-Mitte 30 ist. Ich sage euch, da kommen Erinnerungen auf, von früher … Unglaublich, super witzig, GENAU SO war’s damals“ usw. usf., sie sind einfach voll aus dem Häuschen, wenn ich Markenartikel, alte Fernsehsendungen und Prominamen aufzähle und mit dem großen „wir“ verquirle, wie ich das von Matthias Horx gelernt habe.

Ich schreibe dann wieder so ein bisschen über unsere Eltern, und dass wir mit denen immer voll okay klargekommen sind, obwohl die uns für Anpasser, Mitläufer und karrieregeile Gelstruppelköpfe halten, aber das sind wir als unpolitische Zwischengeneration ja auch irgendwie oder so.

Obwohl, das mit dem Krieg da im Irak oder Iran oder was, das war irgendwie schon auch scheiße, sagte Carolin und öffnete das Nutellaglas, wo dann immer diese Goldfolie drauf ist, die man dann durchsticht, und irgendwie ist die FDP ja schon okay, oder auch die Grünen oder H & M, da hat sie neulich den Justin getroffen, er machte sich Notizen für mich und mein neues Buch.

Er kriegt dafür ein bisschen Trinkgeld von mir, ich hab’s ja, er ist aber jetzt arbeitslos als Web-Designer und hat sein ganzes Geld an der Börse verzockt zusammen mit der Annabelle und der Carolin, weil wir alle nicht genug kriegen konnten, damals, beim Börsenboom, und wir alle schauten dann fassungslos zu, wie die Kurse nur noch eine Richtung kannten, aber wir haben’s leicht genommen wie früher der Horst Jansson oder Jüssen in „Der Bastian“ oder in „Barbapapa“ oder was, sagte der Constantin und spielte mit den „Generation Golf Kühlschrankmagneten“, die wir alle für 19,90 Euro bei Amazon bestellt haben, weil wir alle zusammen gemeinsam immer das Gleiche machen und denken und so, weil wir eine Generation sind, und weil uns allen eigentlich nichts so sehr fehlt wie ein fetter Weltkrieg mit Giftgas und Bumbum und Rattazong, aber das kriegen wir auch noch irgendwie gegelt, äh: geregelt, weil mit euch und mit mir und uns allen, da kann man halt einfach alles machen. ORIGINALZITATION:
OLIVER MARIA SCHMITT