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„Lautlos“

Joachim Król verkörpert einen Profikiller. Bitte? Ja. Es ist aber nicht der Joachim Król, den wir zu kennen glauben. Diesmal wirkt er kompakt und kernig, durchtrainiert und unberechenbar. Ein halbes Jahr brachte er sich in Form, stellte seine Ernährung um und schwitzte an Kraftmaschinen. So ist auf den ersten Blick nichts mehr da vom verdrucksten Charme („Rossini“), der tapsigen Verletzlichkeit („Der bewegte Mann“) und der vagen Verlorenheit („Zugvögel“). Sobald Król aber zu sprechen beginnt, seine brüchig markante Stimme ertönt, kommt all das zurück, und steht diesmal in merkwürdig reizvollem Gegensatz zu der vordergründig starken Figur, die er mimt. Denn natürlich ist Joachim Król ein Killer mit Herz. Und „Lautlos“ nicht nur ein Thriller, sondern auch ein Liebesfilm.

„Lautlos“ ist das Spielfilmdebüt von Mennan Yapo, der vor fünf Jahren schon mit seinem 19-Minuten -Film „Framed“ von sich reden machte. Während eines Auftrags findet der Profikiller Victor (Joachim Król) im Bett des Ermordeten eine junge Frau (Nadja Uhl) und verliebt sich augenblicklich. Später wird er ihr das Leben retten. Dabei ist es weniger die Liebe, die diesen Mann antreibt, als die Aussicht, aus seinem alten Leben auszusteigen wie aus einem Zug. Die Geschichte zwischen den beiden trägt märchenhafte Züge und verschwimmt immer wieder in zitternden Gefühlswallungen. Dabei sind die Dialoge der Liebenden leider nicht von dieser Welt, und so bleibt den Darstellern gar nix anderes übrig, als die Worte wie kostbare Murmeln im Mund herumzuschieben.

Derweil sich die Liebesgeschichte entwickelt, laufen die Ermittlungen heiß. Der Profiler Lang (Christian Berkel) dröselt den Fall mit gesundem Menschenverstand und einer gehörigen Portion Küchenpsychologie auf, sodass sich bald alles wie ein Kinderpuzzle zusammensetzt. Dabei hat der Film durchaus Stärken, ein spannendes Ende etwa, doch immer wieder bleiben die Bilder in ihrer Zeichenhaftigkeit stecken. Etwa wenn die Liebenden esoterisch verträumt im Fluss treiben. Die Schlusssequenz am Strand könnte dann ebenso gut für Calvin-Klein-Parfüm werben.

Mennan Yapo erzählt seine Geschichte überwiegend in ruhigen Bildern, die beinahe lautlos daherkommen. Da sieht man dann nur Wolkenformationen und Häuserdächerlandschaften oder hört bloß das Trommeln des Regens an der Fensterscheibe. Die vielen Teleeinstellungen und die damit einhergehende geringere Tiefenschärfe führen zu durchaus beabsichtigten diffusen Aufnahmen. Die Bilder werden immer wieder ins Hyperreale gezogen, weil es Yapo eben nicht um eine abgefilmte Wirklichkeit, sondern um stilisierte Ereignisse geht. Deshalb glaubt man dem Film auch nichts. Die Morde nicht und die Liebe schon gar nicht.

SHIRIN SOJITRAWALLA