Die von Heiner Geißler geforderte Kombi-Lösung würde wohl ein langwieriges neues Planfeststellungverfahren erfordern. Die Ablehnung der SPD dürfte wachsen.von Nadine Michel

Der Geißler-Vorschlag würde bedeuten: Ein neues Planfeststellungsverfahren. Dauer: 5 Jahre. Bild: dpa
STUTTGART taz | Für die Umsetzung des Kompromiss-Vorschlags von Heiner Geißler wäre nach Ansicht des Regierungspräsidiums Stuttgart ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig - was mindestens fünf Jahre Zeit in Anspruch nehmen würde.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Diese Einschätzung äußert die Behörde in einer Stellungnahme, die der taz vorliegt. Angefordert worden war diese Stellungnahme vom grün geführten Verkehrsministerium. Am Donnerstag will die baden-württembergische Landesregierung den Kompromissvorschlag beraten.
Zur Befriedung des andauernden Streits um den Bahnhof hatte Geißler eine Kombilösung präsentiert: Dabei soll nur ein Teil der Gleise unterirdisch gebaut werden; der Rest bliebe über der Erde. Während viele S21-Befürworter die Idee schnell abgelehnt haben, kündigte die grün-rote Landesregierung eine gründliche Prüfung an. Das Regierungspräsidium, das bei S21 die Funktion einer Anhörungsbehörde hat, sollte im Auftrag des Verkehrsministeriums vor allem die planungsrechtliche Situation bewerten.
In seiner Stellungnahme kommt es nun zu dem Schluss, dass ein neues Planfeststellungsverfahren notwenig wäre, da die "Identität des Vorhabens" nicht gewahrt werde. Neu zu planen sei auf jeden Fall der kombinierte Kopf- und Tiefbahnhof, was etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen würde. Ebenso würde ein Anhörungsverfahren mindestens zwei Jahre dauern. Das Eisenbahnbundesamt bräuchte für den Planfeststellungsbeschluss bis zu einem Jahr Zeit. "Summa summarum müssen also für das Planfeststellungsverfahren als solches mindestens fünf Jahre angesetzt werden", heißt es.
Die SPD, die im Gegensatz zu den Grünen für S21 ist, müsste dieser Bewertung zufolge den Geißler-Vorschlag eigentlich sofort ad acta legen. Denn sie verstand unter der Prüfung laut Wirtschaftsminister Nils Schmid die Frage, ob der Vorschlag im Rahmen der jetzigen Planfeststellungen machbar wäre. Das Verkehrsministerium wollte dagegen prüfen, ob der Vorschlag grundsätzlich planungsrechtlich machbare wäre.
Zu dem Schreiben des Regierungspräsidiums wollte sich das Wirtschaftsministerium auf taz-Anfrage nicht äußern und erst die koalitionsinterne Abstimmung abwarten. Das Verkehrsministerium wollte zumindest die "fünf Jahre plus x" relativieren. "Man muss dabei berücksichtigen, dass die Kombilösung im Gegensatz zur reinen S21-Lösung viel mehr Flexibilität bietet", sagte ein Sprecher zur taz. Es schließlich möglich, an der einen Seite zu planen und an der anderen schon zu bauen. Zudem sei die Planfeststellung auch für S21 noch längst nicht abgeschlossen.
Nachdem die Telekom mit einem Pilotprojekt in die öffentliche Bredouille geriet, ist die Umstellung auf drahtlose Versorgung in Neubaugebieten auf Eis gelegt. von Leonie Sontheimer

„Stuttgart 21“ ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof samt Zu- und Abfahrtsgleisen und Flughafenanbindung ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof sollte ursprünglich Ende 2017 fertig sein, intern rechnet die Bahn laut Medienberichten nun mit 2022. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt „Kopfbahnhof 21“ ihre eigenen Pläne.
Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
15.08.2011 17:38 | ?Think?
Meiner Meinung nach ist Geißlers Vorschlag einfach nur genial: ...
10.08.2011 22:01 | TheOrbitter
Cindy, theosch:
10.08.2011 17:37 | thors-sohn
Ist denn wirklich die Mehrheit dagegen, oder sind die Gegner nur lauter? ...