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Gott und die Welt durch Rauchschwaden: „Haschisch“ von Daniel Gräbner

Das Cinema erweist sich wieder einmal als ein gutes Stadtteilkino, denn wenn hier der Dokumentarfilm „Haschisch“ gezeigt wird, ist das etwa so, als würde in der Gondel in Schwachhausen ein französisches Werk über die Freuden des Weines kredenzt. So kann man nun also am Sielwall sehen, wo die Ware herkommt, die einem dort alle paar Meter angeboten wird. Der Filmemacher Daniel Gräbner tut zwar so, als wäre er als neutraler Beobachter ins marokkanische Rif-Gebirge gefahren, um dort die Haschischbauern bei ihrer Arbeit zu zeigen, doch daran, dass der Film manchmal leicht aus dem Ruder läuft, merkt man, dass er wohl auch gerne selbst die Qualität der Ernte überprüft hat.

Mit einer DigiBeta-Kamera fuhr er in ein Dorf in den Bergen von Ketama, wo seit vielen Generationen Haschisch angebaut wird. Gleich die ersten Bilder zeigen, wie gewaltige Hanfstauden abgeerntet werden und einer der Bauern fordert dabei: „Film mich, Bruder! Die Rechnung kommt vom Gericht.“ Auch in Marokko ist der Anbau von Cannabis verboten, und später wird einer der Honoratioren des Ortes alle seine Verwandten aufzählen, die im Gefängnis gelandet sind. Aber der marokkanische Staat fürchtet eine Rebellion in dieser Region und setzt deshalb die Gesetze nur halbherzig durch.

Vom „Bisiness“ erzählen die Bauern viel und gerne. Meist in Französisch fabulieren sie über ihre Arbeit und ihr abenteuerliches Leben. Zum Teil ist das auch immer Verkaufsgespräch, zum Teil bietet es interessante Einblicke ins soziale Gefüge der kleinen Gemeinschaft, und ein wenig ist es wohl auch immer Märchenstunde für den Touristen mit der Kamera.

Der filmt dann auch gerne die Berglandschaft und zeigt zum Schluss mehrere Minuten lang, wie ein total bekiffter Bauer in Echtzeit über Gott und die Welt philosophiert. Manchmal hätte man sich da ein wenig mehr Formwillen oder schlicht nur filmisches Handwerk gewünscht, aber man kann natürlich auch argumentieren, dass bei einem Film mit dem Titel nur so Form und Inhalt einander entsprechen.

Langweilig ist Gräbners 80 Minuten langer Film nie und es ist doch zumindest kurios, dass der Eisverkäufer in der Erntezeit von den Kindern mit Kiff bezahlt wird. Dann zeigt Gräbner wieder so ausführlich wie man es aus der Sendung mit der Maus kennt, wie der Hanf getrocknet, mit Stöcken geschlagen, in Blöcke gepresst und verpackt wird. Und ein Bauer erklärt ganz genau die Gütegrade (“das ist gefährliches Haschisch, das dir den Kopf wegknallt“) sowie die Vertriebswege, auf denen die Ware nach Europa kommt.

Jeder in diesem Dorf scheint ein großer Erzähler zu sein, und Daniel Gräbner hat erst gar nicht versucht, Dichtung von Wahrheit zu trennen. Einiges ist dann auch wie in benebelnde Rauschschwaden gehüllt, aber auch das ist ja dem Thema angemessen.

Wilfried Hippen

täglich um 18.30 Uhr im Cinema