Skandallogo: Eine Bank und ihre Bücher

Bankenskandal erobert Bühne und Regale. Mit „Tod im Milliardenspiel“ erscheint jetzt eine neue Recherche. Ein authentischer Krimi, der den Tod des Kronzeugen beschreibt. War es Selbstmord oder Mord? Der Staatsanwaltschaft zur Lektüre empfohlen

Der Berliner Bankenskandal – er ist längst zum literarischen Topos und Kunstthema geworden. Mit „Tod im Milliardenspiel“ ist jetzt das dritte Buch zum Thema erschienen, nach Mathew D. Roses Sachbuch „Eine ehrenwerte Gesellschaft“ und Jacques Berndorfs Krimi „Die Raffkes“. Seit einer Woche läuft im Maxim Gorki Theater zudem Lutz Hübners Stück „Das Geld, die Stadt und die Wut“. Fehlt eigentlich nur noch ein Film, der Größenwahn, Korruption und Unvermögen, die zu den Milliardenverlusten bei der Berliner Bankgesellschaft führten, zum Plot macht.

Milliardenverluste, unter denen die Berliner Bevölkerung über Generationen hinaus zu leiden haben wird. Vielleicht macht diese finanzielle Dimension den Bankenskandal zum Kunstgegenstand? Vielleicht ist es das Bedürfnis nach Aufklärung, das Unverständliche zu verstehen? Oder ist es vor allem die Wut darüber, dass die politischen und juristischen Konsequenzen angesichts des Milliardenschadens bislang so lächerlich erscheinen?

Der „Tod im Milliardenspiel – der Bankenskandal und das Ende eines Kronzeugen“ will seinen Beitrag zur Aufklärung des Skandals leisten. Mit minutiöser Recherche widmen sich die beiden Autoren Olaf Jahn und Susanne Opalka, die für das ARD-Politikmagazin „Kontraste“ arbeiten, dem authentischen Kriminalfall Lars Oliver Petroll.

Petroll, der junge EDV-Chef der Immobilienfirma Aubis, wurde am Morgen des 29. September 2001 von einem Pilzsammler erhängt im Grunewald aufgefunden. Aubis war zu dieser Zeit längst in die Schlagzeilen geraten, weil die ehemaligen CDU-Funktionäre Christian Neuling und Klaus Wienhold dem CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky 1995 eine 40.000-Mark-Parteispende zukommen ließen. Zeitnah hatte Aubis Millionenkredite einer Bankgesellschaftstochter erhalten, deren damaliger Chef Landowsky war.

Kurz vor seinem Tod hatte Petroll offenbar versucht, sein Wissen um fragwürdige Geschäfte in der Aubis-Gruppe zu Geld zu machen. Ein toter Kronzeuge in einem Millionenskandal – müsste dies nicht Gegenstand intensiver Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sein?

War es nicht. Nach kurzen Ermittlungen und diversen Pannen lautete das Ergebnis: Selbstmord. Es gibt einige Argumente, die für die Suizidthese sprechen. Das Buch dokumentiert die bestechende Analyse eines jungen Strafrichters, der für den parlamentarischen Untersuchungsausschuss arbeitet und penibel Für und Wider der Selbstmordthese abwägt.

Die Autoren haben in zweijähriger Arbeit „Ereignisse und Indizien recherchiert, die eher gegen einen Freitod des EDV-Spezialisten sprechen“. Die Spuren führen vom Grunewald durch Berlin und zurück zu jener Lichtung im Wald, die Ort eines Verbrechens gewesen sein könnte. „Sie führen zu Menschen, die Angst haben zu reden, deren Stimmen zittern und die sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr an Erlebtes erinnern können. Und mit denen bis heute kein Ermittler gesprochen hat.“ Ein spannendes, ein notwendiges Buch. Und ein aktuelles.

Erst gestern befasste sich der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses erneut mit dem Fall Petroll, nachdem er vor zwei Wochen Zeugen aus dem Umfeld des Toten vernommen hatte. Ob die Abgeordneten der Staatsanwaltschaft nahe legen, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, entscheidet sich nächsten Freitag. Vielleicht sollte man der Behörde schon mal einen Packen Bücher schicken, frei nach dem Motto: Lesen, denken, handeln!