unterm strich

Hierzulande läuft der Film um einen blutigen Fleischklops namens Jesus erst am 18. März an. Aber in den USA und Kanada hat die umstrittene Blutorgie von Hollywoodstar Mel Gibson nach nur zwölf Tagen die Einnahmeschwelle von 200 Millionen Dollar übersprungen. Der Ansturm auf die Kinokassen in den USA und Kanada bescherte dem Kreuzigungsdrama am Wochenende einen Geldsegen von weiteren rund 51 Millionen Dollar. Damit hat der christliche Splatter-Streifen bisher rund 212 Millionen Dollar (rund 172 Millionen Euro) eingespielt: Das ist rund das Siebenfache der Produktionskosten, die Mel Gibson „Die Passion Christi“ aus eigener Tasche vorgeschossen hatte. Angesichts des anhaltenden Interesses an dem umstrittenen Film rechnen Branchenexperten damit, dass bald die 300-Millionen-Dollar-Marke überschritten sein wird. „Die Passion Christ“ wäre damit finanziell weit erfolgreicher als Mel Gibsons populäre Actionfilme aus der „Lethal Weapon“-Serie, darunter „Eine perfekte Waffe“ und „Zwei Profis räumen auf“. Und auch wesentlich blutiger.

Bevor der Film nun mit 400 Kopien in die Kinos kommt, hat der Katholik und Regisseur (in dieser Reihenfolge) Mel Gibson der Zeitschrift TV-Movie ein Interview gegeben. Darin gibt er zu, er habe schon früh unter seiner Konfession gelitten. Aber nicht so, wie man unter Kopfschmerzen oder Depressionen leidet, sondern vielmehr aufgrund der Ausgrenzung, die er als Heranwachsender erfahren musste. „Als ich Kind war, wurde meine Familie verfolgt, weil wir Katholiken waren – das passierte uns, das passierte Juden.“

Ob die Diskriminierung von Katholiken in den USA mit der von Juden vergleichbar ist, mag dahingestellt sein: Möglichereise handelt sich Mel Gibson damit nur zusätzlichen Ärger ein. Doch Kritik ficht den wiedergeborenen Christen, der mit Hilfe seines Glaubens und der Passionsgeschichte vor zwölf Jahren aus einer persönlichen Krise herausgefunden haben will, kaum an. Für Gibson ist die Darstellung der Evangelisten authentisch: „Diese Leute waren Augenzeugen und sind dafür gestorben, also ist es wahr.“ Er habe „Tonnen von Material“ gelesen“ und mit Bibel- und Talmudexperten gesprochen, „bis es mir zu den Ohren herauskam“. Für ihn „ist das Evangelium die Wahrheit, und ich wollte eine Fassung dieser Wahrheit zeigen, die nicht unter miesen Perücken und schlechter Schauspielerei leidet“. Zum Vorwurf, sein Film sei in der Darstellung der Leiden Jesu zu brutal geraten, meinte Gibson: „Auch für mich ist es das Schlimmste, was ich je in einem Film gesehen habe. Aber ich habe versucht, es so lyrisch wie möglich aussehen zu lassen.“