Eine schmutzige Hand wäscht die andere

Cesare Previti, Vertrauter des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi, wird wegen Richterbestechung verurteilt

„Verurteilt, weil ich die Tat nicht begangen habe.“ Kaum hatte die Strafkammer in Mailand ihn am Dienstagabend wegen Richterbestechung zu elf Jahren Haft verurteilt, da bekam der Berlusconi-Intimus Cesare Previti doch noch einen Freispruch – erteilt von sich selbst. Die Kritik lieferte dann sein Chef nach: Berlusconi wetterte, der arme Previti sei „politisch verfolgt“ durch Richter, die mit einer „putschistischen Strategie“ die demokratisch gewählte Regierung stürzen wollten.

Dass der Ministerpräsident sich durch den Schuldspruch ganz persönlich betroffen sieht, ist kein Wunder; denn der Rechtsanwalt Previti begleitet seit Jahrzehnten wie ein Schatten die berufliche und politische Karriere seines wichtigsten Klienten, und beide wurden darüber ebenso reich wie einflussreich. Schon Cesares Papa Umberto stand Berlusconi in den Siebzigerjahren als Strohmann zur Verfügung, als der junge Mailänder Bauunternehmer nicht als Eigentümer seiner Firmen in Erscheinung treten wollte; die gleichen Dienste leistete Umberto auch bei Berlusconis Einstieg ins TV-Geschäft.

Der Sohn war auch bald im Geschäft – und gefiel Berlusconi wegen seiner ziemlich skrupellosen Geschäftstüchtigkeit. Als Previti von einer 19-jährigen verwaisten Klientin mit dem Verkauf einer hochherrschaftlichen Villa betraut wurde, luchste er ihr das Objekt inklusive einer wertvollen Gemäldesammlung zu einem Spottpreis ab – um es Berlusconi zuzuschustern, der seitdem in dem Schlösschen residiert, in Arcore bei Mailand. Auch sonst war Previti immer wieder hilfreich. Obwohl bekennender Faschist, hatte er beste Kontakte zu der Sozialistischen Partei Craxis, ging er ein und aus in dem von den Sozialisten kontrollierten Geldinstitut Banca Nazionale del Lavoro, die Berlusconi reichlich mit Krediten bediente.

Vor allem aber war Previti der Mann für schmutzige Geschäfte, wenn man dem jetzt in Mailand gefällten Urteil glauben darf. Er verfügte über ein dichtes Netz von Bekanntschaften unter Roms Richtern und Staatsanwälten, und das nutzte er, um unter Einsatz dicker Geldbündel die „richtigen“ Entscheidungen sicherzustellen. Der Unternehmerfamilie Rovelli besorgte er die Maxientschädigung von über 500 Millionen Euro auf Kosten einer Staatsbank, und Berlusconi half er, als der sich den größten italienischen Verlag Mondadori unter den Nagel riss: Das Urteil, das zugunsten Berlusconis und gegen den Konkurrenten Carlo De Benedetti gefällt wurde, war – so die Mailänder Kammer – mit Millionensummen erkauft; der zuständige Richter in Rom heuerte kurz nach seinem Entscheid in der Kanzlei Previti an.

Berlusconi zeigte sich immer dankbar; 1994 ließ er den fixen Advokaten als Abgeordneten ins Parlament wählen und wollte ihn damals in seiner ersten Regierung auch noch ausgerechnet zum Justizminister machen – scheiterte aber am Veto des Staatspräsidenten. Previti wurde so bloß Verteidigungsminister. An seinem Vorhaben, die Justiz endgültig zu disziplinieren, hat das aber nichts geändert: Previti gilt als Einflüsterer bei allen Justizreformen der Regierung Berlusconi. Dieser, mutmaßt der aus Forza Italia ausgeschiedene Filippo Mancuso gar, werde von Previti erpresst. Gegen diese Behauptung hat Previti nie Klage eingereicht.