Abholzung mit Hermes-Segen

Der indonesische Papierriese APP holzt Regenwälder ab und ist doch immer wieder Geschäftspartner der Deutschen. Jetzt kündigt der WWF ein Abkommen

BERLIN | taz ■ | Asia Pulp and Paper (APP) hat keinen guten Ruf. Umweltschützer werfen dem Singapurer Papierkonzern die Vernichtung des indonesischen Regenwaldes vor, Gläubiger sind schon auf ihren Schulden sitzen geblieben. Trotzdem hat die Bundesregierung deutschen Firmen immer wieder Hermesbürgschaften für Geschäfte mit APP gegeben – und erwägt es jetzt wieder.

Das begeisterte Engagement der Exportkreditagenturen der Industrieländer für Konzerne wie APP trägt maßgeblich zu den Überkapazitäten in der indonesischen Papierindustrie bei, die dann ihrerseits zur immer maßloseren Abholzung der Wälder führt. Indonesien weist die höchste Waldvernichtungsrate der Welt auf. „Es kann doch nicht angehen, dass wir einerseits Entwicklungsprojekte für den Regenwaldschutz in Indonesien finanzieren und andererseits Fabriken, in der möglicherweise illegal geschlagenes Holz aus diesen Wäldern verwendet werden“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe.

APP will derzeit eine neue Anlage für Papierproduktion in China aufbauen. Der Zellstoff dafür soll aus Indonesien kommen, um den Auftrag für die Maschinen bemühen sich deutsche Firmen. Wie in solchen Fällen üblich, dürften diese Lieferanten Hermes-Bürgschaften beantragen, um sich gegen das Zahlungsausfallsrisiko abzusichern. Mit gutem Grund: Vor drei Jahren war APP, einer der größten Zellstoffkonzerne der Welt, zahlungsunfähig geworden. Zu den düpierten Gläubigern gehört auch Hermes, das für früher geleistete Bürgschaften noch mehr als 600 Millionen Euro bekommt. Im vergangenen Herbst wurde endlich eine Umschuldung erzielt, die die Rückzahlung der Schulden auf zwölf Jahre streckt.

Bei den bislang erteilten Bürgschaften wie auch bei der Umschuldung wurden Umweltaspekte durchaus thematisiert. Zentrale Voraussetzung für das Umschuldungsabkommen war eine Art Gütesiegel des WWF vom August vergangenen Jahres. In einer Vereinbarung mit dem Umweltverband verpflichtete sich APP zum Schutz der letzten Regenwälder auf Sumatra. Doch auch Plantagenwirtschaft bedeutet keineswegs, dass damit Raubbau ausgeschlossen ist, erklärt der gerade von einer Reise nach Sumatra zurückgekehrte Robin-Wood-Aktivist Jens Wieting. Zwei Drittel des Holzes, das die beiden in Indonesien aktiven Papierriesen APP und April verarbeiten, stammen seinen Erkenntnissen nach aus Regenwäldern und ein Drittel von Plantagen. Und diese Akazien- und Eukalyptus-Plantagen würden oft genug auf den eben abgeholzten Naturwaldgebieten angelegt. „Von den Konzernen wird das dann als nachhaltige Forstwirtschaft bezeichnet“, klagt Wieting. Und selbst in dem Gebiet, das laut der WWF-Übereinkunft geschützt werden sollte, wird fleißig weiter abgeholzt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wolle APP dort eine Fläche doppelt so groß wie Berlin kahl schlagen, erklärt der Verband. Der WWF hat deshalb vergangene Woche die Vereinbarung aufgekündigt.

Damit aber fallen die Grundlage für die Umschuldung und jegliche Rechtfertigung für Bürgschaften weg. „Diese Vereinbarung mit dem WWF war Bestandteil dessen, dass da in der Vergangenheit Genehmigungen erteilt wurden“, entrüstet sich der zuständige Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Erich Stather. Barbara Happe von der Umweltorganisation Urgewald fordert die Bundesregierung nun zu einer Neuaufnahme der Verhandlungen auf: „Es kann nicht nur darum gehen, dass Hermes sein Geld nur um den Preis der Regenwaldregierung wieder bekommt.“ Nun müsse der interministerielle Ausschuss, der bei großen Hermes-Projekten das letzte Wort hat, die Konsequenzen ziehen. Er tagt am Donnerstag.