Keine Angst vor dem Angriff der Killerwespen

Kakerlaken in der Spüle, Ameisenhaufen in der Küche, Wespennest auf dem Dachboden? Insekten können das Wohnen zur Plage machen. Bei schweren Fällen hilft der Kammerjäger: Wie sich das Ungeziefer mit Chemiekeulen und ökologischen Methoden beseitigen lässt

taz ■ Horrorvision eins: Eine riesige braune Kakerlake kriecht mitten durch die Küche auf den Kühlschrank zu. Irgendwo im Haus hat sie mit ihren Angehörigen und Freunden ein Versteck eingerichtet.

Wie wird man die Viecher wieder los? Ein Schädlingsbekämpfer muss her. “Schaben verstecken sich am liebsten da, wo es Luftfeuchtigkeit gibt“, erzählt ein Mitarbeiter der Firma “HHC-Ökokil“. Unter der Spüle, unter einer Arbeitsplatte oder in der Nähe eines Durchlauferhitzers seien sie zu finden.

Die meisten Kammerjäger wenden sogenannte Geltechnik an, um Schaben zu vernichten. Dabei werden Gelpunkte im Haus verteilt, zu denen die Tiere hingezogen werden und an denen sie kleben bleiben. Die Mitarbeiter von Ökokil verwenden nach Möglichkeit Präparate, die Menschen nicht schaden können. „Aber manchmal sind es so viele Insekten, dass natürliche Mitteln nicht reichen.“

Bei Hornissen gilt: Je größer die Tiere, desto weniger angriffslustig sind sie

Horrorvision zwei: Die Küche sieht aus wie ein Ameisenhaufen mitten im Wald. Überall kriechen die kleine arbeitsamen Insekten herum. Ameisen sind eine typische Frühlingsplage. Auch sie vertreibt der Kammerjäger mit der Geltechnik. Der Trick bei den kleinen Krabblern ist, dass ihr Chitinpanzer durch das Gel zu bröckeln beginnt und sie daran sterben.

“Es gibt viele Techniken, um Ungeziefer loszuwerden“, erzählt Manfred Krause, Geschäftsführer vom „Hygan Hygieneservice“. „Köderverfahren, Spritzverfahren, Gelverfahren, Vernebelung“ zählt er auf. Die Wahl der Methode hinge davon ab, welche Tierart die Kunden plage und wie viele es von den Viechern gäbe.

Horrorvision drei: Kein gemütliches Frühstück auf der Sonnenterrasse oder im Garten ist möglich, weil ein Wespenvolk ein Nest unter dem Dachboden eingerichtet hat. Und: Die schwarz-gelb gestreiften Insekten wollen unbedingt von der selbst gemachten Marmelade probieren.

Hartmut Baur ist ein Schädlingsbekämpfer, der sich auf den giftfreien Umgang mit Wespen, Hornissen und Bienen spezialisiert hat. „Ich bemühe mich um einen Interessenausgleich zwischen Menschen und Natur“, sagt er. Ein gängiges Vorurteil sei zum Beispiel: „Hilfe, wir haben Wespen. Sie kommen wieder, es werden immer mehr!“ Da erkläre er erst einmal, dass diese Völker ihre Nester höchstens für ein Jahr behalten.

Auch „Hornissen haben einen sehr schlechten Ruf“, klagt Baur. Dabei gilt: Je größer die Tiere, desto weniger angriffslustig sind sie. „Und das Wurstbrot wollen sie auch nicht.“ Manchmal, wenn ein Interessenausgleich zwischen Mensch und Wespe nicht möglich ist, siedelt der Schädlingsbekämpfer die Insekten um.

Er versucht dabei, sie vor dem Nest abzufangen und sie dann „einzukasernieren“. Dann erst wird das Nest „umgesiedelt“. In den ersten paar Eingewöhnungstagen nach dem Umzug füttert er die Wespen sogar mit Zuckerwasser. LENA GORELIK