Ärger mit Elise

Die neue Online-Jobvermittlung der Arbeitsagentur soll schneller und effektiver sein. Nur funktioniert sie nicht so recht

BERLIN | taz ■ | Die Bundesagentur für Arbeit hatte sich für ihren neuen „virtuellen Arbeitsmarkt“ ehrgeizige Ziele gesetzt. „Wenn wir, dank des neuen Systems, die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit um eine Woche reduzieren“, so verkündete Vorstandsmitglied Heinrich Alt zum Start des Jobportals, „könnten wir eine Milliarde Euro einsparen.“ Ob aus den Einsparungen etwas wird, steht nun allerdings in den Sternen. Denn die neue Technik funktioniert nicht, wie sie soll. Die Jobsuche im Netz ist für Arbeitslose alles andere als einfach zu handhaben.

Die Probleme beginnen mit dem Einstieg in das Online-Angebot der Bundesagentur (BA). Maskottchen „Bea“ verspricht Neulingen auf der Webseite mit Zahnpasta-Werbungslächeln, das Portal genau zu erklären. Das tut sie auch – aber nur für Windows-Nutzer mit einem Internet-Explorer. Der Rest hat Pech. „Wir haben das Portal für Windows optimiert, weil das die meisten Menschen nutzen“, sagt Projektleiter Jürgen Koch.

Probleme gibt es auch beim Herzstück des Portals, der Suche nach Stellenangeboten. Martin R. aus dem Ruhrgebiet wunderte sich, warum er bei seiner Suche nach einem Job als Biologe immer nur exakt 100 Treffer bekam. Im SIS, dem alten Onlineangebot des Arbeitsamtes, hatte er stets mehr Stellen gefunden. Koch dazu: „Die Kunden wollen eine überschaubare Zahl an Treffern. Die passendsten Angebote werden angezeigt.“

Doch wirklich passend sind Offerten oft nicht. „Elise“, die Software, die geeignete Jobs finden soll, gibt beim Versuch, für Martin R. eine Stelle als Biologe in Berlin zu finden – wie üblich – 100 Treffer aus. Die ersten Stellen in der Kölner Gegend, irgendwann ein Angebot in Cambridge. Auf Platz 93 schließlich die erste Stelle in Berlin, als Außendienstmitarbeiter. Das Skurrile: Bei zwei weiteren, identischen Suchabfragen spuckte Elise ganz andere Ergebnisse aus.

Und noch ein Ziel des neuen Portals wird bislang verfehlt: Die Arbeitsvermittlung sollte schneller gehen. Beim Kunden geht aber erst einmal alles langsamer. Wer nur ein Mo- dem am heimischen PC hat, muss viel Geduld aufbringen, bis die Seite aufgebaut ist. Schuld sei die verschlüsselte Verbindung, die für die Bundesagentur für Arbeit vorgeschrieben ist, sagt Projektleiter Koch. Die hat aber auch jeder beim Onlinebanking, und da klappt es im Allgemeinen. Überlastet wäre das neue Portal vor allem, wenn das alte SIS – wie ursprünglich vorgesehen – heute abgeschaltet würde. Doch dies ist der BA zu riskant. Bis mindestens Ende Januar wird es online bleiben.

„Es gibt auf jeden Fall noch technische Details, die verbessert werden müssen“, sagt Jörn von Lucke vom Forschungsinstitut der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Den Ansatz hält er aber für richtig. „Die Vision muss sein, alle offenen Stellen und alle Arbeitssuchenden einzubinden.“ Hier liegt das größte Problem der Bundesagentur. Kommerzielle Jobbörsen und Zeitungsverlage weigern sich, ihre Daten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Viele Zeitungen finanzieren sich zu einem großen Teil über Stellenanzeigen. Wenn der Staat diese kostenlos veröffentlicht, sehen sie ihre Einnahmen wegbrechen. Von Lucke sieht aber Lösungsmöglichkeiten. „Denkbar wäre, den Ansatz aus der Arbeitsvermittlung auf den virtuellen Arbeitsmarkt zu übertragen und für die erfolgreiche Vermittlung Provisionen zu zahlen.“