Tanzschritt ins Glück

Mit einer Doku-Soap zeigen die Macher von „Abnehmen in Essen“ erneut, wofür das Genre gut sein kann („Samba für Singles“, 20.15 Uhr, Arte)

Ralf ist über seine alte Liebe immer noch nicht hinweg und träumt von romantischen Abenden in Portofino. Dorthin will er mit einer neuen Partnerin reisen – wenn er denn die Frau fürs Leben trifft. Die freilich sollte zumindest Verständnis für die beiden Kinder des Jungunternehmers mitbringen. Die Partnersuche treibt auch Elmar um, der eigentlich keinen Mangel an Bekanntschaften hat, weil er in einer Disco als DJ arbeitet. Die „Richtige“ aber hat auch er nicht gefunden, weil er einfach zu wenig Zeit hat, wie er meint. Der Suche im Internet überdrüssig, haben sich beide in der Essener Tanzschule von Frau Lentz eingefunden, um ihrem Glück nachzuhelfen. Hier hoffen sie auf Gleichgesinnte, die sich von manchen Enttäuschungen nicht entmutigen lassen.

Dazu gehört etwa die Krankenschwester Sabine, die nach ihrer Scheidung bewusst nur noch Nachtdienste schiebt. Vier Jahre später hält allerdings auch sie wieder nach einem neuen Lebensgefährten Ausschau und studiert eifrig Kontaktanzeigen. Schließlich sucht sie nicht nur eine neue Beziehung, sondern erwartet sich auch in puncto Erotik einiges. Anja hingegen erwartet vom „Mann fürs Leben“ nicht zuletzt Verständnis, wenn sie „ungeschminkt im Jogging-Anzug auf der Couch rumgammelt“. Petra wiederum, die tagsüber in einem Juwelierladen arbeitet, hat eine notorische Skepsis, was ihr Verhältnis zu Männern angeht. In der Türkei, da ist sie sich mit Blick auf ihre Figur sicher, „wäre ich ein Knüller“, aber in Deutschland würden die Herren etwas andere Schönheitsideale haben.

Ob das illustre Quintett am Ende auf einen privaten Neuanfang hoffen darf, erzählt vergnüglich und nah am Leben „Samba für Singles“. Ein Dutzend Alleinstehende, die ihren Zustand gern beenden möchten, haben Claudia Richarz (Regie/Kamera) und Carl-Ludwig Rettinger (Konzeption) für ihre Arte-Soap mit der Kamera begleitet. Erfrischend und handwerklich versiert folgen sie ihren Protagonisten beim Internet-Surfen wie bei „Blind Dates“ und natürlich bei ihren wöchentlichen Zusammenkünften in der Tanzschule Lentz.

Dort versucht die resolut-joviale Besitzerin, ihren Schützlingen nicht nur etwas von der Leidenschaft bei Tango, Salsa oder Merengue zu vermitteln. Schließlich gilt es für die Beteiligten auch, etwas von der Schüchternheit in ungewohnter Umgebung abzulegen. Was in diesem Fall den Frauen weit schneller gelingt, die sich bald regelmäßig zum kollektiven Fernsehen von „Sex and the City“ verabreden. Dass sich „Samba für Singles“ zu einer höchst unterhaltsamen, aber auch erhellenden Veranstaltung entwickelt, ist nicht zuletzt dem Erfolgsduo Richartz/Rettinger geschuldet. Für Arte und den WDR hatten sie einst zwei Staffeln zu „Abnehmen in Essen“ konzipiert, für die sie vor drei Jahren zu Recht mit einem Grimme-Preis prämiert wurden. Ihre besonderen Qualitäten im Zugriff auf ein alltägliches Thema und die Auswahl der ProtagonistInnen kommt auch in ihrer Serie über paarungswillige Großstädter zum Tragen. Denn ungestillte Sehnsüchte, freudige Erwartungen und bittere Enttäuschungen wirken deshalb so unverkrampft inszeniert, weil die Akteure vor der Kamera offen reden und das eingespielte Team Richartz/Rettinger souverän die einzelnen Erzählstränge ohne plumpen Voyeurismus entfaltet.

Entstanden ist so eine sehenswerte Koproduktion von Arte und WDR zwischen Hoffnung auf Verliebtheit, Wortwitz und Herzschmerz. Wir fiebern gerne auch die nächsten Tage mit bei diesen fein beobachteten Essener Alltagsgeschichten aus der Rubrik „Männer und Frauen passen einfach schwer zusammen“. Und wünschen Ralf, Elmar, Sabine, Petra und den anderen Beziehungsgeschädigten, dass sich ihr privates Glück einstelle.