Eine schöne Geburt, ein schöner Tod

Radikal autobiografisch: Filmemacherin und Hebamme Katja Baumgarten zeigt im Kino 46 „Mein kleines Kind“

Persönlicher kann Kino kaum sein: Die Filmemacherin und Hebamme Katja Baumgarten erfuhr 1997 bei einer Ultraschalluntersuchung, dass ihr Kind eine schwere Chromosomen-Anomalie hatte. In solch einem Fall ist ein Schwangerschaftsabbruch üblich. Sie aber entschied sich, ihr Kind nicht nur auszutragen sondern auch, es zu Hause zur Welt zubringen. „Um mein Kind in Frieden austragen zu können, musste ich seinem unausweichlichen Tod ins Auge sehen!“ – mit diesem Satz charakterisiert die Filmemacherin ihren Standpunkt. Zusammen mit Kamerafrau Gisela Tuchtenhagen hat sie den Dokumentarfilm „Mein kleines Kind“ über diese Lebenskrise gemacht. taz: Frau Baumgarten, Ihre beiden Berufe oder Berufungen Filmemacherin und Hebamme ergänzen sich hier ja ganz eigentümlich.Katja Baumgarten: Deshalb hatte ich auch sofort das Gefühl, wenn überhaupt jemand darüber einen Film machen könnte, dann bin ich das. Weil ich von verschiedenen Seiten Kenntnisse habe, und beide einander durchdringen und gegenseitig stärken.

Wenn man den Film sieht, bekommt man den Eindruck, dass ihr Kind eine schöne Geburt und einen schönen Tod hatte. Ist das richtig?

Ehrlich gesagt ja! Alle meine Kinder sind auf gute Weise zur Welt gekommen, aber dies war eine besonders harmonische, schmerzarme und leichte Geburt. Ich hatte auch das Gefühl, dass Klein Martin sich danach bei mit wohlfühlte. Und als er dann gestorben ist, war das so friedlich und leicht, dass wir es kaum gemerkt haben. Ich hab damals gedacht, wenn es bei mir mal so weit ist, wünsche ich mir auch solch eine Art von Tod.

Sie sagen, dass nur Sie diesen Film haben machen können. Wäre es möglich, noch einen Schritt weiter zu gehen und zu sagen, dass nur für Sie auch solch eine Geburt möglich war? Sie kennen das Metier, hatten kompetente und liebevolle Helfer. Waren Sie nicht jeder anderen Schwangeren gegenüber in einer privilegierten Position?

Dies war natürlich auch die Frucht von 16 Jahren Arbeit als Hebamme, in denen man gottseidank auch solche Menschen kennenlernt. Und ich habe ja von den vielen Geburten und auch aus den traurigen Erlebnissen soviel gelernt, dass ich mich für einen eigenen Weg entscheiden konnte. Ich wusste ziemlich genau, was ich nicht wollte.

Aber ist dies wirklich eine Alternative? Schwebt Ihnen eine neue Form des Umgangs mit diesen Schwangerschaften vor?

Es geht mir ja nicht unbedingt darum, dass diese Kinder unbedingt alle bei Hausgeburten zur Welt kommen. Aber alle Beteiligten sollten da mehr Verantwortung übernehmen und sich fragen, was ist für diese Kinder, die nicht lange leben werden, gut? Ist es besser, wenn das Kind bei mir liegt, von mir geschützt ist, vielleicht meine Muttermilch noch trinken kann und geliebt wird? Oder ist es wichtiger, dass da noch viel an ihm herumgemacht, untersucht und intubiert wird – was soll das alles in solch einem Moment? Wichtig ist, dass jede Frau in dieser Situation wissen sollte, dass ihr der blinde Glaube an die Medizin nicht weiterhilft. Dass sie in solch einer Frage von Leben und Tod nur nach ihren ureigenen Werten entscheiden und ihren eigenen Weg gehen sollte.