… die Bergmannstraße?

Ein Stück weit fahrradfreundlich werden

Es klang so verheißungsvoll: Die Bergmannstraße wird Fahrradstraße! Man sah sich schon mitten auf der Kreuzberger Kiezmeile herumkurven, an Cafés und Läden vorbei, ohne auf nervige Autos und stinkende Lkws Rücksicht nehmen zu müssen. Aber von wegen!

Die großartige Errungenschaft erweist sich beim genaueren Hinsehen als ziemlich kleiner Schritt auf dem Weg Berlins zur fahrradfreundlichen Stadt. Denn auf eben jenem stark von Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern genutzten westlichen Teil der Bergmannstraße zwischen Marheinekeplatz und Mehringdamm ändert sich vorerst überhaupt nichts. Nur der sowieso schon sehr ruhige Abschnitt zwischen Südstern und Marheinekeplatz wird zur Fahrradstraße deklariert.

Hier sind wir bei der zweiten Enttäuschung: Die Bezeichnung Fahrradstraße bedeutet zunächst nur, dass Radschilder aufgestellt werden. Eines davon will die Stadträtin Jutta Kalepky (parteilos) an diesem Samstag enthüllen. Eigentlich dürfen dann lediglich Anlieger die Straße mit dem Auto nutzen. Aber wie das so ist, haben plötzlich alle ein Anliegen. Die meisten Autofahrer wissen zudem nicht, was eine Fahrradstraße ist – und ignorieren sie deshalb schlicht. Und so ändert sich wohl wenig.

Oder ist es nur eine Frage der Zeit? Die Grünen sagen, dass man an einem Gesamtverkehrskonzept für den Kiez arbeite. Die Bergmannstraße könne also doch noch komplett Fahrradstraße werden. Wann? Irgendwann. Als Radfahrer braucht man Ausdauer. ALL    FOTO: ARCHIV