Maria Osten – Erzählte Zeit

Genordet zeigt die Windrose rechter Hand gen Osten. „Osten“ war wiederum das Pseudonym der Maria Greßhöner, die mit dieser Namenswahl ihre Sympathie zur Sowjetunion kundtat. Als jüngste Tochter einer Gutsherrenfamilie auf einem Hof östlich von Stettin verbrachte sie dort ihre Kindheit recht mittig zwischen ihren späteren Wirkungskreisen Berlin und Moskau. Die Schule verließ sie mithilfe einer gefälschten Unterschrift, trat früh in die Kommunistische Partei ein, nahm Zeichenunterricht bei den expressionistischen Malern Jaeckel und Meidner und gelangte so in die Berliner Künstlerszene der 20er-Jahre. Über ihre Mitarbeit im Berliner Malik-Verlag lernte sie neben Brecht, Döblin, Feuchtwanger, Ottwalt und Tucholsky auch den sowjetischen Schriftsteller Michael Kolzow kennen, dem sie in die Sowjetunion folgte. Dort leitete sie die Exilzeitschrift Das Wort, veröffentliche neben Erzählungen auch ihr Buch „Hubert im Wunderland – Tage und Taten eines deutschen Pioniers“. 1941 pflegte sie schließlich die todkranke Margarete Steffin, die Brecht auf seiner Flucht vor den Nationalsozialisten in Moskau zurückließ. 1942 wurde Maria Osten im Alter von 34 Jahren in Saratow aufgrund des Verdachts der Spionage hingerichtet. Ihr kurzes, politisch wie literarisch dichtes Leben betrachten Annette Gröschner und Reinhard Müller heute Abend im Literaturforum Brecht Haus.